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Philip, 3 Wochen Europapraktikum auf Kreta, Griechenland

Nachdem ich bereits ein Europapraktikum in der irischen Hauptstadt Dublin absolviert habe, hatte ich die Gelegenheit, ein weiteres dreiwöchiges Praktikum zu absolvieren - diesmal in Heraklion auf der größten griechischen Insel, der Insel Kreta. 

Vorweg: Der ganze Praktikumsaufenthalt auf Kreta war einfach nur mega-super!

Anreise

An einem winterlich-kalten & regnerischen Sonntag bin ich früh morgens mit der Bahn von Kiel aus zum Hamburger Flughafen gefahren. Von dort bin ich – mit einem dreistündigen Zwischenstopp in Athen, der Hauptstadt Griechenlands – nach Heraklion geflogen. 

Bereits der Zwischenstopp in Athen war ein kleines Highlight und hat bei mir alle Gedanken an den heimischen Winter vertrieben. Bei der Ankunft strahlender Sonnenschein und – für Kieler Verhältnisse – sommerliche Temperaturen um die 20 °C, dazu der direkt am Meer gelegene Flughafen mit entsprechender Aussicht aus „meinem“ Terminal: über das Vor- und teilweise das Rollfeld blickt man direkt auf das Meer. Aber kaum hatte man einmal durchgeatmet, ging es auch schon weiter nach Kreta, genauer gesagt nach Heraklion. Auch der dortige Flughafen ist direkt am Meer gelegen, was ich aber erst bei der Abreise gemerkt habe, da es bei meiner Ankunft bereits dunkel war. Aber trotz der nächtlichen Ankunft war einem direkt wohlig-warm, was auch an der nächtlichen Temperatur von ca. 18 °C lag. Am Flughafen wurde ich von George (der wahrscheinlich in seinem früheren Leben einmal eine Karriere als Rennfahrer der Formel 1 hatte), einem Teammitglied von der Partnerorganisation, abgeholt und gemeinsam mit zwei weiteren Erasmus+-Teilnehmern in unsere Unterkunft gefahren. Auf der Fahrt hat George uns etwas über die vorbeiziehenden Stadtteile erzählt und uns erste Tipps für unseren Aufenthalt in Heraklion gegeben. Zudem konnten die beiden anderen Teilnehmer und ich uns etwas kennenlernen. 

In der Unterkunft angekommen wurde ich von meinem Zimmergenossen begrüßt. Mein Zimmergenosse war bereits am späten Nachmittag angekommen & hatte so bereits die Gelegenheit, auch andere Leute aus der Unterkunft – zwei ebenfalls aus Deutschland stammende Mädels und eine Gruppe aus Spanien – kennenzulernen. Insgesamt waren wir in der Unterkunft sechs aus Deutschland und sechs aus Spanien, allesamt in 2-Bett-Zimmern untergebracht. Nachdem ich dann mein Gepäck abgeladen hatte, bin ich mit den beiden Teilnehmenden, die ich bereits auf dem Weg vom Flughaben zur Unterkunft kennengelernt habe, kurz zu einem fußläufig erreichbaren Kiosk/Mini-Supermarkt gegangen und wir haben uns die nötigsten Dinge für ein gemeinsames Abendessen und das Frühstück am nächsten Morgen besorgt. Anschließend haben wir – auch gemeinsam mit meinem Zimmergenossen – kurz gekocht und danach gemeinsam auf der Terrasse gegessen. Danach war für mich der Anreisetag auch schon vorbei & ich bin todmüde ins Bett gefallen. 

Die Unterkunft 

Am nächsten Morgen bin ich früh aufgewacht und wurde – nachdem ich das Fenster zur zum Zimmer gehörenden Terrasse geöffnet habe – direkt von der gleißenden kretischen Sonne umschmeichelt. Und die sommerlich-warmen Sonnenstrahlen haben mir sodann direkt das nächste Highlight eröffnet: Ein großer Zitronenbaum mitten auf der Terrasse, der Unmengen an heranwachsenden und reifenden Zitronen trug – und eine leichte Brise, die den erfrischenden Zitronenduft an meine Nase wehte. Sofort wurde meine Stimmung noch besser und aufgeweckter (falls das überhaupt möglich war) und ich hatte direkt einen Ohrwurm im Kopf: Den Song „Lemon tree“ der Gruppe „Fools Garden“. Nach diesem herrlichen Start in den Tag habe ich meinen Koffer ausgepackt und dabei mein Apartment erkundet. Das einfach und schlicht gehaltene Zimmer bestand aus einem Raum mit kleiner Küchenzeile und einem Tisch mit zwei Stühlen sowie zwei Betten, die von einem Nachttisch getrennt wurden. Als kleinen Extraraum gab es noch ein Badezimmer mit Waschbecken, Dusche & Toilette. Viel mehr hatte das Apartment nicht zu bieten – dafür, dass man aber eigentlich nur mal eine Kleinigkeit zu Essen kocht bzw. ein Sandwich zubereitet und dort schläft, ist es völlig ausreichend. Das Beste an der Unterkunft selbst – neben dem Zitronenbaum – war unser „Gastpapa“: Ein ca. 70- jähriger junger Grieche, der so entspannt und freundlich war, dass man ihn nur liebhaben konnte. Vom Gastpapa wurde man dann freudestrahlend willkommen geheißen und es wurde einem Orangensaft, Kaffee/ Tee und Wasser angeboten. Und das Allerbeste: Die Unterkunft war nur wenige Minuten Fußweg (ca. acht Minuten) vom Strand entfernt, sodass man jeden Tag mühelos dort einige Augenblicke verweilen und entspannen konnte. 

Der erste Tag 

Nachdem dann mein Koffer ausgepackt, die Unterkunft erkundet und der Gastpapa kennengelernt war, begann auch schon der sprichwörtliche „Ernst des Lebens“ meines Praktikumsaufenthalts. Ein weiteres Teammitglied der Partnerorganisation kam bei unserer Unterkunft vorbei und hat uns allen eine kurze Einweisung gegeben, Tipps mitgeteilt und es wurde der letzte Papierkram erledigt. Danach wurden wir dann von verschiedenen Teammitgliedern abgeholt und zu unseren Praktikumsbetrieben gebracht, wo wir uns dann persönlich vorgestellt haben, der Papierkram ausgetauscht wurde und sodann die Arbeitszeiten für das Praktikum besprochen und weitere Details abgeklärt haben. Nach diesem kurzen Intermezzo im Praktikumsbetrieb ging es dann auch schon weiter in die Innenstadt von Heraklion, wo wir an einem zentralen Platz abgesetzt und dort von zwei weiteren Teammitgliedern, abgeholt wurden. Diese haben uns dann einige zentrale Punkte in der Innenstadt gezeigt, das Busnetz und die verschiedenen Buslinien erklärt und dann sind wir gemeinsam zu der Stelle gegangen, wo wir unsere Bustickets erhalten haben. Danach hatten wir bis zum Abend Freizeit und konnten auf eigene Faust die Stadt erkunden. Ich bin dann mit einer anderen Erasmus+-Teilnehmerin durch die Straßen und Gassen der Innenstadt von Heraklion geschlendert, wobei es uns schnell ans Wasser gezogen hat. Wir sind dann an der Kaimauer entlang geschlendert und zu einem Strandabschnitt beim großen Stadion gewandert, wo wir später dann auch noch andere Programmteilnehmende getroffen haben. Dort bin ich dann zum ersten Mal auf Kreta schwimmen gegangen – und es war herrlich! Das Wasser war kristallklar, blau-grünlich schimmernd und hatte angenehme 17 °C (nur etwas kühler als das Wasser der Kieler Förde im Hochsommer), über einem der blaue Himmel und strahlender Sonnenschein. Den Nachmittag haben wir dann am Strand verbracht, bis es irgendwann Zeit war, wieder in die Innenstadt aufzubrechen, wo wir dann noch von der Partnerorganisation eine kleine Führung durch die Innenstadt erhalten haben. Nach der Stadtführung haben wir (also alle Leute aus unserer Unterkunft und noch einige andere Programmteilnehmenden) hungrig einen Supermarkt überfallen und dort einen Großeinkauf erledigt. Danach ging es zu uns in die Unterkunft, wo wir – aufgeteilt in kleine Gruppen – in unseren Zimmern gekocht haben und anschließend alle gemeinsam auf „meiner“ Terrasse unter dem Zitronenbaum zu Abend gegessen haben und den Abend haben ausklingen lassen. 

Das Praktikum 

Mein Praktikum habe ich im Büro einer der wenigen lizensierten kretischen Raki-Brennereien absolviert. Während meines dreiwöchigen Praktikums habe ich eigentlich durchgängig mit dem Inhaber zusammengearbeitet, der sich sehr liebenswürdig und hilfsbereit um seine Praktikanten bemüht. Aber was ist Raki überhaupt? Raki kennt man hierzulande wahrscheinlich eher als eine Art Ouzo aus der Türkei, also als einen türkischen Anisschnaps. Der traditionelle kretische Raki ist jedoch kein Anisschnaps, sondern ein reiner Traubenschnaps, der dem italienischen Grappa sehr ähnlich ist. Während meines Praktikums wurde mir der gesamte Herstellungsprozess erklärt und gezeigt, wie man mit einem Alkoholometer den Alkoholgehalt misst und auch wie man die Berechnungen durchführt, die für eine Verdünnung oder für eine Stärkung des Alkoholgehalts vorab notwendig sind. Da mein Praktikumsbetrieb auch Raki-Liköre in verschiedenen Geschmacksrichtungen anbietet, wurden mir auch diese Herstellungsprozesse erläutert. In die Zeit meines Praktikums fiel u.a. die Entwicklung eines Raki-Likörs mit Pistazie als neuer Geschmacksrichtung. Auch soll die Produktpalette in Kooperation mit einer Confiserie um Pralinen und Trüffelpralinen ergänzt werden, die mit Raki oder Raki-Likören gefüllt sind. Da mein Betrieb in Zukunft auch den deutschen Handelsraum erschließen möchte, durfte ich während meiner Arbeitszeit größtenteils nach Kontaktdaten von potenziellen Abnehmern suchen und diese in einer Tabelle zusammenfassen. Ansonsten durfte ich allgemeine Bürotätigkeiten verrichten oder mich manchmal auch um den inländischen Versand kümmern. 

Das Praktikum hat mir insgesamt sehr viel Spaß gemacht – und mein kretischer Chef war einfach nur super! Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass ich den Eindruck hatte, dass sich mein Chef gefreut hat, einem die Arbeitsweise und den Herstellungsprozess zu erklären und sich auch die Zeit genommen hat, die verschiedenen geschmacklichen Einflüsse zu erläutern (Traubenart, Anbaugebiet, …). 

Mein Betrieb hat auf dessen Homepage einen eigenen geschützten Bereich für alle Erasmus+-Praktikanten, der von allen Praktikanten stets um Tipps und Tricks für das Leben auf und die Erkundung von Kreta ergänzt wird. So konnte man bereits auf ein breites Fundament aufbauen und sich für Aktivitäten inspirieren lassen. 

Freizeit

Heraklion, die größte Stadt der griechischen Insel Kreta, ist direkt am Meer gelegen. Sie hat eine Art Altstadt, die jedoch leider durch viele Neubauten verschandelt wurde. Man findet jedoch trotzdem noch diverse schöne Ecken und Plätze – und der beste Platz ist eh immer am Wasser bzw. am Meer. Durch das gut ausgebaute Busnetz ist man innerhalb Heraklion relativ zügig von einem Ende der Stadt ans andere Ende gekommen. Die ersten Tage habe ich die Stadt erkundet oder mich am Wasser entspannt bzw. war schwimmen. Am Mittwoch der ersten Woche gab es dann abends für alle Teilnehmenden einen gemeinsamen Bowlingabend, der von der Partnerorganisation organisiert wurde. Dort habe ich dann noch mehr Teilnehmende aus diversen Ländern, hauptsächlich aus Frankreich, Italien und Spanien, kennengelernt. In den nächsten Tagen und Wochen hat man sich dann oftmals mit anderen Programmteilnehmenden in verschiedensten Konstellationen getroffen und hat die Stadt und die Insel erkundet. So war man teilweise sportlich aktiv (einen Nachmittag waren wir Padel spielen, einen Abend gab es ein Fußballmatch, mal ist man wandern bzw. neudeutsch „hiken“ gegangen), hat sich kulturell weitegebildet (man hat Museen besucht oder ist nach Knossos, eine alte Palastanlage aus dem minoischen Zeitalter, gefahren) oder hat sonstige Ausflüge in das Umland unternommen. Aber zugegeben: Man war auch sehr oft an den verschiedenen Stränden, die einen Heraklion und die Umgebung bieten, und hat dort vergessen, dass Zuhause in Kiel teilweise Eis und Schnee bei -8 °C waren und man vor Ort auf Kreta deutlich zweistellige Temperaturen und Sonnenschein hatte. An den Wochenenden – ok, ich war insgesamt nur drei Wochen auf Kreta, daher hatte ich effektiv nur zwei Wochenenden – hatte man dann die Gelegenheit, auch den Rest von Kreta zu erkunden. So bin ich bspw. an einem Wochenende mit einer neunköpfigen Gruppe mit Mietwagen nach Chania (eine Stadt im Nord-Westen Kretas) gefahren, wo wir uns auch gemeinsam ein Apartment gemietet haben. Chania ist eine Hafenstadt mit ca. 110.000 Einwohnenden (also gut 70.000 Einwohnende weniger als Heraklion) und hat bedingt durch eine nicht durch Bausünden verschandelte Altstadt und den alten venezianischen Hafen und auch noch diverse erhaltene Bauten aus der osmanischen Zeit sehr viel Charme. Ein Besuch von Chania lohnt sich auf jeden Fall! 

Land & Menschen 

Kreta ist eine wunderschöne Insel, Heraklion ist eine lebenswerte Stadt – und eigentlich alle Menschen, die ich während meines Aufenthaltes kennenlernen durfte, waren extrem freundlich, offen und schlichtweg einfach herzallerliebst. Leider hat man relativ wenige Einheimische kennengelernt, da man sehr viel mit anderen Programmteilnehmenden unterwegs war. Dies lag meiner Meinung nach auch daran, dass man nicht in einer Gastfamilie untergebracht war, sondern in verschiedenen Apartmentkomplexen, in welchen nahezu ausschließlich andere Teilnehmende untergebracht waren. Aber die Einheimischen, die ich kennenlernen konnte, habe ich noch immer in mein Herz geschlossen. Insgesamt war auffällig, dass die Kreter bzw. die Griechen allesamt sehr hilfsbereit und gastfreundlich sind. Man ist mit jedem Menschen schnell ins Gespräch gekommen, sei es mit der Busfahrerin, dem Gemüsehändler oder wem auch immer, und war dann auch schnell per Du (und an dieser Stelle liebe Grüße an Nikos, meinen Obst- & Gemüsehändler des Vertrauens… ich vermisse die leckeren Tomaten und auch alles andere!). 

Der Abschied 

Man glaubt es kaum, aber drei Wochen sind superschnell vorüber. Es hieß daher dann irgendwann: Abschied nehmen & zurück nach Deutschland. An meinem Abreisetag hat sich ganz Griechenland wettertechnisch nochmals von seiner besten Seite gezeigt und mich sowohl auf Kreta als auch beim Umstieg in Athen mit sonnigen Grüßen verabschiedet. Aber der traurige Abschied hat auch etwas Positives: Man hat sehr viele coole und liebenswerte Menschen kennengelernt und sich gegenseitig zu Besuchen eingeladen. So werde ich in den nächsten Jahren sehr viel unterwegs sein und einerseits mit der Bahn quer durch Deutschland reisen als auch andererseits halb Europa besuchen, um dort die vielen tollen Menschen aus Frankreich (u.a. Paris), Italien (u.a. Rom und Bari/Apulien) und Spanien (u.a. Saragossa) wiederzusehen und gemeinsam das Leben und die Freiheit 

Philip

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