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Meine Erasmus+ Erfahrungen

Simon, 3 Wochen, Bournemouth, England

Mein Auslandsaufenthalt wurde in Zusammenarbeit mit meiner Berufsschule über den Träger KulturLife organisiert.

Ich habe mich für das Reiseziel England entschieden, da ich in der Verbesserung von Englischkenntnissen den meisten Nutzen für meine private und berufliche Zukunft sah. Da der Aufenthalt im Zuge meiner Ausbildung in Zusammenarbeit mit meiner Berufsschule organisiert wurde, bestand die Gruppe, in der ich mitreiste, aus Berufsschülern verschiedenster Ausbildungsberufe. Alleine die Erfahrung Auszubildende aus anderen Berufen und Betrieben kennenlernen zu dürfen, stellte sich im Nachhinein als bereichernd dar.

Die Leistung der Förderung umfasste die Flüge Frankfurt–Heathrow und die Shuttletransporte Heathrow–Bournemouth hin und zurück. Ebenfalls enthalten waren Stadtbusverkehr in Bournemouth, die Unterbringung in einem Praktikumsbetrieb und Gastfamilie mit Frühstück sowie Abendessen.

 

Ankunft in Bournemouth & Gastfamilie

Gut gelandet und die Shuttlebusfahrt hinter mich gebracht sollte mein 3 wöchiger Aufenthalt in Bournemouth mit dem kennenlernen meiner Gastfamilie beginnen.

In einem Stadtteil der 180.000 Einwohner Stadt lebte meine Gastfamilie in einem typisch englischen Ein-Familien-Reihenhaus. Empfangen wurden mein gerade kennengelernter Zimmerkollege und ich von einem anfangs sehr reservierten Ehepaar Anfang 60.

Das Haus machte, entgegen den Erwartungen die der äußere Eindruck vermuten ließ, einen sehr sauberen und gemütlichen Eindruck. Das Zimmer war groß genug für zwei Personen und das, wenn auch sehr kleine, Badezimmer war sauber und mit allem ausgestattet, was nötig war.

Nach etwa einer halben Woche hatten wir unsere Gasteltern wohl davon überzeugt, dass wir vernünftige Menschen waren. Dieses Vertrauen zeigte sich in Form von deutlich herzlicheren Gesprächen, die wir nun immer häufiger führten. Frei nach dem Motto „hart aber herzlich“ lernten wir den britischen, sehr trockenen Humor sehr schnell zu schätzen.

Tag für Tag funktionierte das Zusammenleben.

Apropos „am Tisch“: Auch wenn mein Freundes- und Verwandtenkreis vor meiner Abreise nicht müde wurde mir zu erzählen, wie schlecht doch das Essen und das Wetter in England seien, sollte sich für mich keines von beidem bestätigen.

Mein Gastvater arbeitete als Koch und zauberte immer wieder sehr leckere und abwechslungsreiche Speisen auf den Tisch.

Auch hatten wir im gesamten Zeitraum von drei Wochen lediglich 3 Regentage, an denen es trotzdem immer wieder aufklarte und uns Zeit zum Stadterkunden gab.

Die Stadt an sich hatte eine sehr gute Infrastruktur und Architektur. Ein Bus kam spätestens alle 10 Minuten, was unsere Mobilität sehr flexible gestaltete.

Direkt am Meer gelegen machte nicht nur die Schönheit der Stadt Eindruck auf uns, sondern auch die Küstenlandschaft am Ärmelkanal.

Wir machten die Erfahrung, dass es doch wesentliche Unterschiede in den Details gab. Diese sind nicht immer so offensichtlich, wie das Fahren auf der „falschen“ Seite.

Ein Beispiel hierfür war die Interessensvermengung verschiedener Altersklassen. Nach deutschen Verhältnissen ist es üblich, in seiner Freizeit mehr mit Personen der gleichen Altersgruppe zu verkehren.

Nicht so in England. In den meisten Geschäften, Pubs, auf der Straße oder sogar am Strand wurde nicht nach Alter, sondern nach Interessen separiert.

So fand ich mich mit meinen 20 Jahren eines Abends in einer angeregten Diskussion mit einem Engländer ­– der weit über 50 war – bei einem kühlen Cider in einem Pub wieder. In diesem wurden ausschließlich Charts der letzten 5 Jahre gespielt.

Eine weitere Auffälligkeit war die übermäßige Höflichkeit. Um nicht unhöflich zu wirken musste ich mich fast anstrengen an jeden Satz ein „please“ oder ein „thank you“ anzuhängen.

Generell würde ich behaupten, dass die deutsche Ausdrucksweise deutlich direkter ist und es in England scheinbar vollkommen normal ist Fragen, Bitten oder Wünsche indirekt und mit vielen Konjunktiven zu formulieren. Hier ist vor allem für direktere Menschen Vorsicht geboten, da diese Art von englischem Charme sehr schnell überhört werden kann.

 

Das Praktikum

Das Praktikum, welches mit unserem Aufenthalt einherging, startete für mich mit einer herben Enttäuschung.

Organisiert über ein lokales Partnerunternehmen von KulturLife, wurde mir mein Praktikumsbetrieb als Marketing Firma vorgestellt. Dieses offenbarte sich am ersten Arbeitstag jedoch als ein Call-Center ähnliches Unternehmen.

Von der oben beschriebenen Höflichkeit der Briten war hier wenig zu spüren. Die Art zu kommunizieren wurde so gestaltet, dass ich ständig das Gefühl hatte, daran erinnert zu werden, „nur“ ein Praktikant zu sein…

Der Arbeitsplatz war sehr verschmutzt, die Luft schlecht und die Lautstärke aufgrund der vielen telefonierenden Mitarbeitern schier nicht auszuhalten.

Nachdem ich deutlich zu verstehen gab, dass es nicht in meinem Interesse sei, mehrere Tage lang Telefonnummern aus der Datenbank auf zwielichtigen Internetseiten zu „verifizieren“, ohne auch nur ein Wort mit Kollegen wechseln, wurde sehr schnell auf meine berechtigte Bitte reagiert: Bereits am Montag der zweiten Woche hatte ich einen neuen Praktikumsplatz, der mit dem ersten in keiner Weise zu vergleichen war.

Untergebracht in der (laut Zertifikat) „zweit besten privaten Sprachschule“ des Landes verteilten sich meine Aufgaben nun in deutlich kommunikativere Bereiche. Von der Betreuung neuer Schüler, über Aufgaben an der Rezeption, bis zur Unterstützung bei der Vorbereitung von Unterrichtseinheiten hatte ich eine sehr abwechslungsreiche Zeit.

Ich wurde sofort in die familiäre Atmosphäre der Schule aufgenommen und integriert. Schnell lernte und verinnerlichte ich meine neuen Aufgaben. Der Umgang im Team und die erwähnte Atmosphäre motivierten mich sehr.

Nach und nach verlor ich auch die Scheu, längere Konversationen zu führen oder zu telefonieren. Ich hatte das Gefühl, mit meinen Fähigkeiten angemessenen Aufgaben betraut zu werden. Nach und nach konnte ich mich immer mehr steigern und wuchs an meinen Aufgaben.

 

Im Großen und Ganzen

Alles in allem war ich gerade nach dieser ersten Woche sehr dankbar für die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit, die mir entgegen gebracht wurden.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei allen verantwortlichen Mitarbeitern von KulturLife und deren Partner für diese Verlegung bedanken. Allen zukünftigen Austauschlern möchte ich mit auf den Weg geben, nicht immer alles so hinzunehmen, wie man es vorfindet.

Abschließend gehe ich noch einmal auf meine Erwartungen vor dem Aufenthalt ein und wie sich diese im Nachhinein realisiert haben.

Die Hoffnung Sprachkenntnisse zu verbessern bringt wohl jeder Austauschüler mit. In meinem Fall konnte ich dies nur teilweise umsetzen, da ich in „nur“ 3 Wochen meine bisherigen Kenntnisse eher auffrischte als sie wesentlich zu verbessern. Nichtsdestotrotz konnte ich natürlich trotzdem einige neue Vokabeln und Redewendungen kennenlernen.

Ich wollte unbedingt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der deutschen und englischen Kultur finden. Dies gelang mir sehr gut! Ich verbrachte unter anderem ein Wochenende in London und konnte so sogar einige Unterschiede in der englischen Kultur selbst feststellen.

Freier zu sprechen, war mein letztes großes Ziel. Wie bereits erwähnt, waren meine Aufgaben in der Sprachschule von sehr kommunikativer Natur und nach einer kurzen „Eingewöhnungsphase“ wurde ich immer mutiger auch von mir aus auf Leute zuzugehen.

Drei Wochen war ein gutes Zeitfenster, um erste Eindrücke über diese für mich neue Kultur zu sammeln. Sehr gerne würde ich diese irgendwann bei einem weiteren Besuch erweitern.

Das Praktikum, die Zeit in der Gastfamilie, aber auch die Erkundungen der Stadt, der Kultur und mein London-Aufenthalt haben mich wirklich weiter gebracht.

Die Zeit in England hat mir trotz einiger Schwierigkeiten sehr viel Freude bereitet. Ich habe viele schöne Erinnerungen an diese Zeit und ich kann jedem ans Herzen legen, sich zumindest über Erasmus zu informieren und vielleicht sogar selbst einmal diese Erfahrung wahrzunehmen.

Simon


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