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Hotelpraktikum in London

Yannik, 3 Wochen Auslandspraktikum in England

Drei Wochen wie im Flug

Als ich am Flughafen Hannover, leicht nervös aber voller Vorfreude, ankam, hab ich nicht im geringsten geahnt, dass vor mir die mit Abstand besten drei Wochen des Jahres liegen würden (und das obwohl ich dieses Jahr auf Mallorca war). In den drei Stunden vor Abflug wurden erste Kontakte mit den anderen Teilnehmern geknüpft und Pläne für den ersten Abend in London geschmiedet.

Von diesen Plänen war allerdings, nach der anstrengenden und auch ein bisschen umständlichen Reise (Hannover-Frankfurt-London), niemand mehr so ganz überzeugt. Den ersten Eindruck von den Dimensionen, die diese Stadt zu bieten hat, bekamen wir am Flughafen Heathrow. An besagtem Flughafen sollte ein Bus auf uns warten: nur wo? und wie soll das überhaupt funktionieren, der Fahrer kennt uns doch gar nicht?? Hätte sich bloß mal einer die Anweisungen der Organisation durchgelesen... Eine Stunde und diverse Fahrstuhlfahrten später, hatten wir endlich ein Parkhaus erreicht, in dem wir auf den Bus warten sollten. Auf der Autobahn und der für mich völlig falschen Straßenseite angekommen, beichtete uns der Fahrer, dass wir „Forest Hill“ (Londoner Stadtteil etwas außerhalb) erst in ca. 1,5 Stunden erreichen würden. Das zweite Mal an diesem Tag, dass mich die Größe Londons überraschte.

Gastfamilie und Unterkunft

Endlich in Forest Hill angekommen, stellten wir uns gegenüber den Gastfamilien auf und und wurden „zugeteilt“. Meine drei zukünftigen Zimmergenossen und ich wurden Ms. Tulloch, eine Einwanderin aus Jamaica, zugeteilt. Nach einer sehr kurzen Fahrt standen wir mitten in einer anschaulichen Siedlung. Typisch englisch reihten sich die Häuser direkt aneinander und wir fragten uns, welches der schmucken Häuser wohl unseres sein würde. Es war dann ein Haus auf der anderen Straßenseite, nicht ganz so ansehnlich, aber okay.

Die Unterbringung: ein Zimmer mit drei Betten, also ein Klappsofa und ein Etagenbett, das andere ein Einzelzimmer. Anfangs wollte niemand so recht ins Einzelzimmer, ist bestimmt lustiger zu dritt. Pustekuchen: 3 Wochen zu dritt auf engstem Raum zwischen drei riesigen Koffern ist dann auch weniger witzig, aber auch machbar.

Am nächsten Morgen ging´s natürlich chaotisch weiter: ein kleines, etwas schmutziges Badezimmer und eine Dusche mit Durchlauferhitzer, noch nie sowas gesehen und keiner von uns wusste, wie das funktioniert. Was soll´s also entweder kalt oder kochend heiß duschen. Nach dem Frühstück ging´s zu Fuß zur Forest Hill Train Station. Von dort fahren gefühlt im zwei-Minuten-Takt Züge Richtung Londoner Zentrum. Dort angekommen, wurden wir natürlich direkt von den Menschenmassen und der Größe der Station „London Bridge“ überwältigt. Das hatte zur Folge, dass die Reisegruppe, die aus Forest Hill unterwegs war, sich ca. 3 Sekunden nach Verlassen der Bahn aus den Augen verlor. Unzählige Anrufe und einen hunderte Meter weiten Fußmarsch (wohl gemerkt in der Station) später, fanden wir uns schließlich am Bahnsteig der Underground wieder und fuhren Richtung „Oval“. In der Nähe der Station sollten wir uns mit den Leuten von ETCi zu einem Workshop treffen. Wir waren natürlich, wie viele anderer, viel zu spät.

Auf Entdeckungstour in London

Mit Ende des recht hilfreichen Workshops machten wir uns daran, die Stadt zu erkunden. Wetter: 18 Grad Sonnenschein, wie fast die gesamten 3 Wochen. Erstes Klischee, dass es auf der Insel nur regnet, war also widerlegt. Für viele war die erste Anlaufstelle die Oxford Street, Londons Haupteinkaufsstraße. Am Abend dann ein Besuch in einem typischen Londoner Pub am Piccadilly Circus. Ein Pint Bier oder Cider oder Pale Ale mit ca. 5 Pfund alles andere als günstig, aber dafür echt lecker. Zweites Klischee: „Bier in England schmeckt nicht“, also auch widerlegt. Es sind diese Abende, in den zahlreichen gemütlichen Pubs, die London ausmachen. Man trifft sich nach der Arbeit mit Kollegen noch auf ein Bier und redet dabei über Gott und die Welt, im Hintergrund eventuell noch ein bisschen live Musik. Besser geht es nicht, der ideale Ort zum Abschalten, aber auch zum Kennerlernen neuer Leute. Das mit der Sprache ist nach 1-2 Pints auch kein Problem mehr und wenn man dann von einem Londoner einfach mal angequatscht wird, um mit ihm über mehr oder weniger wichtige Dinge zu reden, wundert man sich als Deutscher erst und vermisst genau diese Gespräche drei Wochen später im kalten Hannover.

Arbeiten und leben in London

Die Pubs schließen in London traditionell um 23:00 Uhr und die Arbeit startet ca. um 9:00 oder 9:30 Uhr, das Aufstehen nach einem Abend im Pub fiel also nicht ganz so schwer. Mein Arbeitsweg mit knapp 40 Minuten rekordverdächtig, wenn man bedenkt, dass der Londoner im Schnitt etwas über eine Stunde braucht, um seinen Arbeitsplatz zu erreichen. Mein Arbeitsplatz war das Novotel an der Tower Bridge. Als ich dann am ersten Tag - leicht nervös - um die Ecke bog und mir die verrücktesten Horror Szenarien durch den Kopf schossen, fiel die Nervosität schlagartig ab, denn dort wartete bereits Julian. Ebenfalls aus der Reisegruppe BBS11. Wir waren also nicht alleine, das sollte Vieles erleichtern.

Die Arbeit, die wir über die gesamte Zeit zu verrichten hatten, war zwar nicht besonders anspruchsvoll, aber dafür abwechslungsreich und bestand nicht aus Scannen, Kopieren und Ablegen, wie bei vielen anderen BBS´lern. Wir haben unter anderem die Haustechnik bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt. Das kann schon mal recht amüsant sein, wenn man gerufen wird, weil ein Gast Probleme mit der „Mikrowelle“ hat und man im Zimmer dann einen verzweifelten Gast vorfindet, der versucht, sein Essen im Safe aufzuwärmen. Es gehörten aber auch eintönige, buchhalterische Aufgaben, wie die tägliche Abrechnung des Frühstücks, zu unseren Aufgaben im Novotel. Bei der täglichen Arbeit machte sich dann die spezielle Arbeitskultur der Briten bemerkbar: immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, edel gekleidet und trotzdem weniger verkrampft als in Deutschland. Ganz speziell ist es der kleine Smalltalk, den die Engländer ständig und überall halten wollen. Das ist am Anfang schon ziemlich verwirrend und es hat ein bisschen gedauert, bis ich verstanden habe, warum die denn immer wissen wollen, wie es mir geht und was man darauf am besten antwortet. Drei Wochen später, zurück in meinem Ausbildungsbetrieb in Deutschland, fehlte mir die herzliche und aufgeschlossene Art, mit der mir die Londoner stets begegnet sind. Der Rest der Woche verging wie im Flug und auch die Badezimmerproblematik entschärfte sich, da wir mit zunehmender Dauer ein Team mit dem Durchlauferhitzer wurden und er urplötzlich auch angenehm warmes Wasser ausspuckte.

Der erste Freitag in London war dann allerdings mehr oder weniger ein Reinfall. „Wir treffen uns mit der ganzen Gruppe in einem Pub, so gegen 7“, so oder so ähnlich war die Ansage im Whatsappchat. Aber an einem Freitag um 7 Uhr in London in einem Pub mit mehr als 20 Leuten einen Tisch finden oder irgendwas, das dem Nahe kommt - unmöglich. Wir mussten also draußen stehen. Hört sich nicht schön an, war´s aber doch, weil es so untypisch für Deutschland und so typisch für London ist. Ständig kommen neue Leute vorbei, man unterhält sich kurz, dann ziehen sie weiter. Auffällig auch der Kleidungstil der Londoner, meist mit Anzug und direkt von der Arbeit, geht es in die Pubs und Clubs der Metropole. Das führt zwangsläufig dazu, dass man als leger gekleideter Schüler aus Deutschland mit Sneakern, Jeans und lockerem Hemd nur schwer in die Clubs im Londoner Zentrum hineinkommt. Aber in 3 Wochen hatten wir genug Gelegenheit, uns auf einer der unzähligen und endlosen Einkaufsstraßen auch die passenden Kleidung für einen „Night-out“ zu besorgen.

Am Ende des Praktikums

Und so verging die Zeit in dieser schillernden Metropole wie im Flug und gerade, als man sich eingelebt hatte, das Englisch ganz von alleine über die Lippen ging, zu den Kollegen ein fast freundschaftliches Verhältnis bestand und man nahezu jeden Tag im Pub ausklingen ließ, war diese herausragende Zeit leider schon vorbei. Es sind jedem von unserer Reisegruppe BBS11 natürlich noch viele weitere lustige und verrückte Stories widerfahren, die so wahrscheinlich nur in London passieren, aber die alle zu erzählen ist genauso unmöglich wie in London bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Am Ende bleiben nur die Erinnerungen an diese besondere, schöne Zeit und die Gewissheit, eines Tages zurückzukehren, hoffentlich nicht nur für ein paar Tage Urlaub.

Ein riesiges und absolut ernst gemeintes: Danke! an die BBS11, KulturLife und ETCi, ohne die (Achtung Floskel) das alles nicht möglich gewesen wäre.

Y.T.


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