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Salome goes USA: Video- und Auslandstagebuch

Nordlichtstipendiatin Salome, High School Jahr in Iowa

August

Vor genau 24 Tagen hieß es für mich Abschied nehmen und es ist einfach unglaublich, wie schnell die Zeit hier bereits vergangen ist. In den drei Wochen, in denen ich nun in Amerika lebe, habe ich mich richtig gut eingelebt und so langsam wird mein Alltag in meiner Gastfamilie und meiner High School schon zur Routine.

Mitte August brach ich schließlich auf in mein Abenteuer Auslandsjahr! Nachdem ich den Abschied dann (unglaublich aber wahr: OHNE Tränen) hinter mich gebracht hatte, wurde mir schließlich hinter der Passkontrolle doch etwas mulmig zumute. Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich nun vollkommen auf mich allein gestellt war und in eine völlig neue Umgebung kommen würde, in der ich keinerlei soziales Umfeld hatte. Diese Sorgen waren aber vollkommen unberechtigt, denn schon nachdem ich an dem winzigen Flughafen in Sioux City, Iowa, angekommen war, wurde ich unglaublich herzlich mit einem riesigen Schild empfangen. Der Flug war sehr anstrengend, mit seinen insgesamt vier Stationen Frankfurt, London Heathrow, Chicago und Sioux City. Am Abend lag ich deshalb einfach völlig übermüdet, aber glücklich, in meinem wunderschönen neuen Zimmer in einem kuscheligen Bett.

Der nächste Tag  war ein Samstag, daher sind wir ins 60 Meilen entfernte Okaboji gefahren, wo sich die tiefsten und klarsten Seen von ganz Amerika befinden. Hier hat meine Gastfamilie einen Camper, wie sehr viele Amerikaner und der ist einfach nur riesig! Er gleicht wirklich einer Wohnung, ich hab mein eigenes Zimmer mit einem Bett und einer Couch und ein eigenes Badezimmer, in einem Wohnwagen! Auf jeden Fall haben wir hier ein sehr schönes Wochenende verbracht und sind mit unserem Boot gefahren.

Am Dienstag stand dann der erste Schultag an! Meine Schule heißt South o`Brien High School und befindet sich in der kleinen Stadt Paullina, wo ich übrigens auch wohne - mitten im Nirgendwo! Das einzige, was es hier gibt sind Maisfelder und viele, viele unglaublich nette Menschen. Etwa 400 Schüler besuchen meine Schule und in diesem Semester  belege ich die Fächer American History, Foods & Nutrition, Chorus, PE, Landscape Design, Algebra 2 und Advanced Comp (Englisch). Mein Schultag beginnt um 08:30 und endet um 15:30. Allerdings geht es anschließend noch 3 Stunden ins Volleyballtraining, jeden Tag! Zweimal die Woche haben wir auch Spiele, an diesen Tagen tragen alle Mitglieder des Volleyballteams Kleider, damit sie “besonders” aussehen.

Wenn man die Schule betritt, denkt man wirklich man wär in einem amerikanischen High-School-Film! Es gibt hier so viele Dinge die ich aufzählen könnte, die typisch amerikanisch  sind: Locker, Wasserspender auf den Fluren, T-Shirts von allen möglichen Sportarten, Lunch, … Lunch ist übrigens meine absolute Lieblingsstunde! Ich bin jeden Tag erneut ziemlich stolz ein Junior (11.Klasse) zu sein. Dann darf man nämlich an der langen Schlange von Sophomores (10.Klasse) und Freshmen (9.Klasse) vorbeigehen und sich sein Essen nehmen. Das Essen kostet $2 und es gibt Salat und Obst, eine Milch (JA! Sie trinken tatsächlich Milch zum Lunch!) und ein Hauptessen. Meistens sind das Burger oder Pommes, aber auch Nacchos, Taccos, Turkey,…

Jeden Freitag ist dann ein Footballgame, das absolute Highlight der Woche! Es ist einfach exakt wie im Film. Von den Cheerleadern, über die beliebten Footballspieler, bis zum Anfeuern - ich liebe es einfach, auch wenn ich die Regeln kein bisschen verstehe.

An meiner Schule hab ich ziemlich schnell Anschluss gefunden. Die Amerikaner sind sehr aufgeschlossen und lieben es, dich nach deinem Heimatland auszufragen. Vor allem kann hier einfach niemand meinen Namen aussprechen, deshalb hat sich ein Mädchen aus meinem Volleyballteam den Namen “Sam” ausgedacht. Seitdem kann sich, glaub ich, niemand mehr daran erinnern, dass ich eigentlich einen anderen Namen habe.

Im nächsten Monat steht sehr viel an. In 2 Wochen werde ich mein erstes Homecoming miterleben und am gleichen Wochenende wird meine Gastschwester heiraten. Ich bin schon unglaublich gespannt, welche neuen amerikanischen Bräuche mich dann erwarten werden!


 

September

Es fällt mir so unglaublich schwer die vielen neuen Erlebnisse, Eindrücke und Traditionen, die ich im letzten Monat erlebt habe, in Worte zu fassen. Das erste große Ereignis, das diesen Monat anstand, war die Hochzeit meiner Gastschwester. Ich habe noch nie im Leben eine so schöne Hochzeit miterlebt, allerdings kann man im Großen und Ganzen sagen, dass sich amerikanische Hochzeiten nicht besonders von deutschen unterscheiden. Doch es war einfach so Hochzeit in Iowarührend zu sehen, wie glücklich Kimi (meine jüngste Gastschwester) aussah und wie die 300 Gäste diese Emotionen aufgefasst haben! Die Familie hat sich auch ziemlich bemüht mich immer zu integrieren, zum Beispiel auf den Familienfotos oder aber bei der Feier danach. Ich wurde sozusagen dazu gezwungen, die traditionellen Countrytänze mitzutanzen, im Nachhinein bin ich ihnen aber doch sehr dankbar dafür! Beinahe jeder hat auf der Hochzeit Cowboystiefel getragen, sogar die Braut und auch ich bin jetzt stolzer Besitzer von einem Paar, auch wenn sie nicht gerade preiswert waren.

Das nächste große Event stand dann am nächsten Wochenende an: HOMECOMING! Ich glaube, dieses Wochenende werde ich nie in meinem Leben vergessen. Freitags hatten wir gekürzten Unterricht, weil sofort nach der Schule ein sogenannter “Float” stattfand. Dieser ist eigentlich mit einem Fastnachtsumzug in Deutschland zu vergleichen, nur dass alle mit Traktoren und Pick-Ups durch die Gegend fahren und Süßigkeiten werfen. Sofort danach sind wir zu dem Haus einer Freundin gefahren und haben uns fertig gemacht für den großen Tanz nach dem Footballspiel. Wir hatten einfach so  unglaublich viel Spaß und als dann endlich unsere Frisuren und Make-up fertig waren und wir zum Spiel gefahren sind, hatte es natürlich schon angefangen. Wir haben letztendlich haushoch gewonnen und danach ging es dann wieder nach Hause, um die Kleider anzuziehen und Bilder zu machen. Ich hatte ein “Homecomingdate”, das heißt, dass ein Junge mich gefragt hat, ob ich mit ihm zu Homecoming gehen möchte und deshalb musste ich auch mit ihm Bilder machen. Das wäre ja eigentlich kein Problem gewesen, wenn seine Eltern nicht noch gekommen wären und uns mit Bilderideen und Wünschen überhäuft hätten!  Als ich das allerdings überstanden hatte, war der Homecomingdance einfach unglaublich! Die ganze Schule hat getanzt, von langsamen Tänzen über Hip Hop bis zu Flashmops.

Ein weiteres großes Ereignis in diesem Monat war ein Tornado, der in Iowa, South Dekota und Nebraska gewütet hat. Ich war während des Tornados bei einem Auswärtsspiel, denn es war Freitagabend. In der Stadt sind plötzlich die Sirenen angegangen und man wurde aufgefordert, sich unverzüglich ins Gebäude zu begeben. Anschließend standen uns drei lange Stunden bevor, in denen wir auf den Fluren saßen und auf Entwarnung warteten. Die Zeit haben wir hauptsächlich mit Spielen verbracht und die Cheerleader haben uns versucht unseren Fightsong beizubringen. Als wir schließlich wieder raus durften, stellte sich heraus, dass der Tornado unsere Nachbarstadt sehr heftig getroffen hatte. Es waren tatsächlich viele Häuser und Straßen zerstört, doch bei uns lagen lediglich ein paar kleinere Sachen auf dem Spielfeld verteilt. Letztendlich mussten wir das Spiel noch zu Ende spielen und sind um zwei Uhr völlig übermüdet zu Hause angekommen.

Alles in allem habe ich mich jetzt an den amerikanischen Alltag gewöhnt, auch wenn ich feststellen musste, dass Freunde finden doch etwas mehr Zeit beansprucht als ich zunächst dachte. Die Menschen hier sind zwar sehr offen, aber um richtig tiefe Freundschaften zu schließen braucht es dann doch mehr als nur einen Monat.

Diese Woche bekommen wir bereits unsere Zeugnisse vom ersten Quarter. Es ist einfach unbegreiflich, dass jetzt schon das erste Vierteljahr vorbei ist.  Die Volleyball- bzw. Footballsaison ist jetzt auch schon rum, weshalb wir in zwei Wochen mit unserem Basketballtraining beginnen. Außerdem habe ich angefangen mich in FCA (Fellowship of Christian Athletes) und FFA (Future Famers of America) zu engagieren. Was ich auf jeden Fall schon gelernt habe: Je mehr du dich engagierst desto mehr Freundschaften schließt du.

Zusammengefasst war der zweite Monat ein sehr ereignisreicher Monat. Auch wenn es mal den ein oder anderen schlechten Tag gibt, überwiegen auf jeden Fall die schönen Momente und einfach das Gefühl so langsam angekommen zu sein und wirklich zu realisieren: Mein größter Traum ist nun tatsächlich in Erfüllung gegangen!

Oktober

Der erste Gedanke, den man hier in Amerika mit dem Monat Oktober verbindet, ist definitiv Halloween. Abgesehen davon, dass die meisten Häuser mit zahlreichen Lichterketten, Spinnenweben und selbstverständlich Kürbissen dekoriert werden, ist doch die wichtigste Sache “Trick or Treating”. In der Woche vor Halloween haben wir bei meiner Gastschwester riesige Kürbisse ausgehöhlt und Gesichter ausgeschnitzt, wobei ich ziemlich frustriert nach dem ersten Auge aufgegeben habe, weil ich ausgerutscht bin und versehentlich einen riesigen Schlitz durch meinen ganzen Kürbis geschnitten habe. Meine künstlerischen Fähigkeiten sind einfach unglaublich! :-)Halloween Salome

Am 31. Oktober gab es dann zunächst in unserem Haus ein großes Essen zu dem wir einige Verwandte eingeladen hatten, um uns auf das anschließende “Trick or Treating” vorzubereiten. Auch wenn ich mich zunächst mit Händen und Füßen dagegen gewehrt habe, mich in ein undefinierbares Kostüm zu quetschen und mit drei 8-jährigen Kindern von Tür zu Tür zu gehen, war es letztendlich ein Riesenspaß! Wir wurden selbstverständlich von Haus zu Haus gefahren und mussten nicht laufen (wir sind immer noch in Amerika!). Als ich später mit einer unglaublich großen Schüssel voll Süßigkeiten nach Hause kam, musste ich wohl oder übel einsehen, dass ich wohl in der nächsten Saison mehr Sport treiben sollte, um in Form zu bleiben.

Als Wintersportarten werden an unserer Schule leider nur Cheerleading, Basketball, Gewichtheben und Wrestling angeboten. Weil ich als Austauschschüler kein Cheerleader werden kann (die Try-outs waren schon im Frühling) und die anderen beiden Sportarten gar nicht zur Debatte standen, blieb schließlich nur noch Basketball übrig. Auch wenn mich einige meiner Freunde gewarnt hatten, mich lieber nicht für Basketball einzuschreiben, tat ich es doch. Und ich muss sagen, meine Freunde hatten Recht! Die ersten beiden Tage waren einfach nur schrecklich. Man kann sich wirklich nicht vorstellen wie übermotiviert die Amerikaner in Hinsicht Sport sind! Jeden Morgen zwei Stunden Gewichte heben und nach der Schule drei Stunden reguläres Training. Als ich beim zweiten Training schließlich dachte, dass ich es nicht überleben werde, sagte ich mir: Ich werde aufhören! Doch leider waren die Trainer nicht damit einverstanden und sagten ich müsse noch mindestens eine Woche aushalten. Inzwischen habe ich schon zwei Wochen hinter mir und ich bin wirklich glücklich, dass ich doch nicht aufgegeben habe. Nach und nach fängt es tatsächlich an mir zu gefallen.

Zur Schule muss man sagen, dass der Unterrichtsstoff sehr leicht ist. Weil ich nur A’s (Sehr gut) auf meinem Zeugnis hatte (was wirklich keine Kunst ist!) wurde ich in der Zeitung unter den “High Honor Roll” Schülern aufgelistet. Allerdings ist die Schule auch sehr zeitaufwendig, denn jede einzelne Aufgabe, ob Schulaufgabe oder Hausaufgabe, wird eingesammelt und mit einem Prozentsystem benotet. Durch das Basketballtraining geht für mich leider viel freie Zeit für meine Freunde verloren. Daher unternehmen wir meistens nur noch Dinge am Wochenende, wobei an jedem Sonntag auch eine Art Basketballtraining stattfindet.

Was man den Amerikanern übrigens auf jeden Fall lassen muss, ist ihre Kreativität Spenden zu sammeln. Ob für  FFA, die Tafel oder Close-up Trips, ich bin immer wieder neu überrascht. Diese Woche läuft zum Beispiel in jeder einzelnen Pause Justin Bieber und solange keine $800 gespendet werden, werden sie die auf Dauer wirklich nervigen Lieder nicht abschalten! Ich bin gespannt, was mich in dieser Hinsicht und auch an jedem anderen „normalen“ Tag noch so alles erwartet.

November

Was in den USA im November natürlich riesengross gefeiert wird, ist Thanksgiving. Neben der Tatsache, dass ich über die zwei Feiertage gefühlte 100 pounds zugenommen habe, gab es schlicht und einfach das beste Essen, das ich je in meinem Leben gegessen hab. Von Truthahn, über Oreo-Trauben-Creme bis zu süßen Kartoffeln mit Marshmallows überbacken, gab es  wirklich alles, was das Herz begehrt. Um die Mittagszeit sind 20 Verwandte zu Besuch gekommen und wir haben uns einen gemütlichen Tag am Kamin gemacht mit gutem Essen, langen Gesprächen und selbstverständlich Football. Zum Black Friday sind meine Gastmutter, meine zwei Gastschwester und ich zusammen in Walmart gefahren. Als wir den Supermarkt betreten haben, hab ich echt meinen Augen nicht getraut!  Hunderte Menschen haben sich durch die kleinen Gänge geschoben und geschubst, um an ihr ausgewähltes Angebot zu kommen. Ich hatte wirklich Angst, ich komme nicht mehr lebend aus dem Gebäude heraus! AbEs ist kalt in Iowaer nach drei endlos langen und aufregenden Stunden haben wir dann doch nach einer dreißig minütigen Suchaktion unser Auto auf dem Parkplatz gefunden.

In Amerika ist die Weihnachtssaison bereits im November im vollen Gange. Tausende Lichter, Weihnachtsbäume, aufgeblasene Schneemänner und typisch amerikanische Weihnachtsmusik. Ich habe mich wirklich in die amerikanische Vorweihnachtszeit verliebt. Sehr viel Schnee und Temperaturen bis zu -30 Grad verstärken dann noch die winterliche Stimmung.

In diesem Monat ist auch noch ein riesen Wunsch für mich in Erfüllung gegangen! Zur Erklärung muss man wissen, dass sich meine Basketballkenntnisse zwar schon um einiges verbessert haben, aber noch lange nicht mit denen eines amerikanischen High Schoolschülers zu vergleichen sind. In der High School ist das Basketballteam  in drei verschiedene Teams aufgeteilt. Das C-Team (Freshmen), Junior Varsity (Sophomores, Juniors) und Varsity (Juniors, Seniors). Ich bin selbstverständlich stolzes Mitgleid vom C-Squad, weil ich aber ein Junior bin, darf ich bei Varsity auf der Bank sitzen und aufwärmen – was echt eine Ehre ist! Man kann schon beinahe sagen, dass das Varsity-Team  hier mit einem Profiteam in Deutschland zu vergleichen ist. Bei unserem zweiten Spiel haben wir also mit 30 Punkten geführt, deshalb hatte mein Coach mich noch für die letzten drei Minuten mit den Worten: „Just have fun and give your best!“ ins Spiel geschickt. Ein Traum wird wahr!Ich war mit den Spielzügen vollkommen überfordert und  bin auch davon überzeugt, dass man mir das angesehen hat. Auf wundersame Weise ist der Ball allerdings in der letzten Minute in meine Hände gelangt und weil ich nicht wusste wohin, habe ich einfach mal auf den Korb geworfen.  Als ich unglaublich aber wahr tatsächlich getroffen  hab, ist jeder einzelne auf der Tribüne aufgesprungen und hat gejubelt. Jeder hat sich einfach so unglaublich für mich gefreut, weil ich schon ein bisschen das Sorgenkind im Basketball bin. Diese Situation zeigt wieder den unglaublichen School Spirit unserer Schule. Die beiden Punkte, die ich für das Team geworfen habe, hatten keine große Bedeutung, aber einfach die Tatsache, dass sich alle Schüler so für mich gefreut haben und später zu mir gekommen sind und mich gelobt haben, war einfach so bedeutend für mich. Diese Momente sind dann beispielsweise die Höhen, die man in einem Auslandsjahr erlebt. Natürlich gibt es neben Höhen auch Tiefen, aber durch so einzigartige Momente merke ich einfach, dass ich am richtigen Platz gelandet bin.

Dezember

Lichterketten, Weihnachtsbäume, aufgeblasene Schneemänner, Weihnachtsmusik, Punsch und unvorstellbar gutriechende Zimtrollen...  Diese Dinge gehen mir sofort durch den Kopf, wenn ich an den Monat Dezember denke. Doch neben der Adventszeit ist natürlich auch Basketball in seine heiße und spannende Phase gekommen. Jede Woche drei Spiele, anstrengende Trainingseinheiten, aber auch viele lustige Spielvorbereitungen. Doch auch der Gedanke was ich meinen Gasteltern zu Weihnachten schenken sollte und vor allem in welchem Wert hat mich viele Wochen beschäftigt. Die Adventszeit war zwar sehr stressig, aber dennoch eine einzigartige und unvergessliche Zeit.

Nachdem ich am 23. Dezember meine letzten Besorgungen für einige Freunde hinter mich gebracht hatte, konnte das Weihnachtsfest schließlich kommen. Am 24. Dezember habe ich um die Mittagszeit mit meiner Familie in Deutschland geskyped und war live bei unserem traditioniellen Fondueessen an Heilig Abend dabei. Abends bin ich mit meiner Gastfamilie in die Kirche gegangen, wo auch ich einen Beitrag vorlesen musste. Danach haben wir es uns mit einigen Familienmitgliedern vorm Kamin gemütlich gemacht und das beste Chilli der Welt gegessen. Am 25. Dezember sind insgesamt 25 Leute zu uns gekommen und wir hatten eine riesen Bescherung. Ich wurde vor allem mit Kleidern überhäuft und meine Gasteltern haben sich auch sehr über meine Geschenke, aber vor allem über die Kleinigkeiten, die meine Mutter aus Deutschland per Post gesendet hat, gefreut. Was man nämlich wissen muss, in den USA gibt es weder Adventskalender (keine Adventskalenderschokolade dieses Jahr ? ), noch Stollen, Spekulatius, oder Lebkuchen. Allerdings konnte ich aus der Beschreibung “it tastes very… different!” entnehmen, dass es vielleicht doch etwas seltsam für Leute schmecken muss, die noch nie in ihrem Leben ein Lebkuchenherz in der Hand hatten. Nachmittags gab es dann viele Unterhaltungen, gutes Essen und einfach ein schönes Beisammensein. Im Gegensatz zum 2. Weihnachtsfeiertag in Deutschland, wurde hier wieder normal gearbeitet.

Die darauffolgende Woche war von langen, teilweise langweiligen Ferientagen geprägt.  In diesen Tagen hatte ich meine Familie und Freunde zu Hause vermisst. Zum Glück wurde ich aber von einigen Freunden abgelenkt, indem wir Shoppen waren, ins Kino gegangen sind und einen Filmeabend  zusammen verbracht haben. Basketballtraining hat dann auch in der zweiten Woche wieder begonnen und alles nahm seinen gewohnten Lauf. Im Gegensatz zu Weihnachten ist Silvester in Amerika bei weitem nicht so eine große Sache wie in Deutschland. Ich habe mit meinen Gasteltern den sogenannten “Balldrop” aus New York im Fernsehen geguckt und dann ging es auch schon um 12:30 Uhr wieder ins Bett, um am nächsten Tag wieder um 8 Uhr zum Basketballtraining zu gehen.

Die Tatsache, dass bereits die erste Hälfte meines Auslandsjahres vorbei ist, sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits freue ich mich schon jetzt unglaublich auf meine Familie, Freunde und vor allem einen nicht so voll geplanten Alltag, aber andererseits habe ich noch so viel mit meinen Freunden in Amerika geplant, dass ich Angst habe, dass mir die Zeit davon läuft und ich viele einzigartige Möglichkeiten und Momente verpasse.…

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