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"Ich freue mich, dass ich mir das zugetraut habe!"

Insa, ein Semester an einer Privatschule in Córdoba

Ein halbes Jahr Argentinien

Sehr aufgeregt und voller Euphorie landete ich endlich auf dem Flughafen in Córdoba, wo ich sehr herzlich von der Organisationschefin der Partnerorganisation empfangen wurde. In der Vorbereitungswoche schloss man viele Bekanntschaften mit den 15 anderen Deutschen und lernte schon näheres über Land und Leute in Argentinien kennen. Täglich begann der Tag mit Spanischunterricht und am Nachmittag standen Dinge wie Tangotanzen und eine Citytour an. Samstag ging der Austausch dann aber richtig los, da wir in die Gastfamilie kamen. Zwar fühlte ich mich in meiner Familie von Anfang an sehr willkommen und wohl, hatte dennoch einen ziemlichen Kulturschock, da alles so anders als in Deutschland und auch anders als erwartet war. Daher war ich in den ersten Wochen sehr aufgewühlt und fragte mich, ob ich nicht lieber ein Nicht-Dritte-Welt-Land sondern ein „einfacheres“ für den Austausch hätte wählen sollen. Im Nachhinein betrachte ich das nicht mehr so, sondern freue mich, dass ich mir das zugetraut habe.

In das Schulleben in der dritten Woche einzusteigen (zweite Woche stand noch ein weiterer Spanischkurs mit den anderen Teilnehmern an) einzusteigen, war vorerst als gewöhnungsbedüftig zu bezeichnen. Mit 36 Mitschülern in eine Klasse und davon bis auf 7 Jungs nur ein Haufen kreischender Mädchen, aber unglaublich netten Mädchen, um sich zu haben, war recht anstrengend. Zum Schulalltag lässt sich sagen, dass das Unterichtsniveau und auch der Lernwille der Argentinier sehr niedrig gelegen war, obwohl ich auf eine Privatschule ging. Aber Privatschule dort ist wenn überhaupt mit einer öffentlichen deutschen Schule zu vergleichen. Was den Spotunterricht anbelangte war ich aber ganz dankbar, da auch ich bei Temperaturen, die im November zwischen 35-40° C lagen, nicht mehr so bewegungsfreudig war.

Außerhalb der Schule habe ich mit einer deutschen Freundin, die ich von der Vorbereitungswoche kannte, zweimal wöchentlich Tennisunterricht genommen und gelegentlich einen Tanzkurs besucht. Was Tanzen angeht haben es die Argentinier wirklich mehr im Blut als wir Deutschen und zum Tennis ist zu sagen, dass es wirklich wundervoll war immer draußen zu spielen. Als denn die Regengüsse im Herbst kamen, war es hin und wieder sehr ärgerlich nicht spielen zu können, weil es noch nicht einmal eine Tennishalle gab. Da ließ man sich lieber bei geschlagenen 38°C und regelmäßiger Abkühlung des Kopfes durch den Wasserschlauch über den Platz scheuchen. Besonders in den Nächten waren die Temperaturen nicht immer mein Freund, da ich mir ein recht kleines Zimmer mit meinen zwei Gastschwestern teilte und es weder im Schlafzimmer noch irgendwo im Haus eine Klimaanlage oder Deckenventilatoren gab. Bei den kleinen Ventilatoren fragte man sich, ob die eher zum Wind- oder Lärmmachen gedacht waren.

 Sehr aufregend und interessant gestalteten natürlich die zahlreichen Urlaube den Auslandsaufenthalt. Ich hatte das Glück schon nach wenigen Wochen mit meiner Gastfamilie in den Norden nach Salta und Humahuaca zu fahre, wo man den Anblick der Berge mit den sieben Farben genießen konnte. Dicht darauf folgte die Reise an den wohl schönsten Fleck Argentiniens-es ging zu den Wasserfällen von Iguazu. In der Gruppe saßen wir uns ca. 23 Stunden den Hintern breit, bevor wir zweit Tage lang den Anblick der gigantischen und bildhübschen Wasserfälle genießen konnten. Verlängerte Wochenenden nutze meine Gastfamilie gerne, um mir die weitere Umgebung von Cordoba zu zeigen. Einmal besuchten wir für ein paar Tage den Norden der Sierras von  Cordoba und bei der anderen Gelegenheit erkundeten wir den Süden der Sierras. Die Natur und die Landschaft Argentiniens sind wirklich atemberaubend und recht vielfältig. Die letzten beiden Reisen gingen einmal in die 12mio Hauptstadt Buenos Aires und etwas Richtung Süden zum Whalewatching. Pinguine und Wale live zu sehen war wirklich sehr schön.

 Die übrigbleibenden Wochenenden waren meist geprägt durch Geburtstagsfeiern-sei es familiär oder von Bekannten. Beim Partymachen sind die Argentinier nämlich unermüdlich. Es ist es nichts Besonderes, mindestens bis 5 Uhr morgens zu feiern. Die Diskotheken sind auch erst so gegen 3 Uhr gefüllt.

Trotz relativ viel Heimweh fiel mir der Abschied sehr schwer. Es fiel mir nicht immer leicht soweit von Zuhause und dem gewohnten Umfeld weg zu sein, dennoch habe ich meine Gastfamilie nach einem knappen halben Jahr sehr ins Herz geschlossen. Diese 5 Monate mal über den Tellerrand zu gucken hat mich sicherlich weitergebracht und auch etwas geprägt. Es hat mir die Möglichkeiten gegeben jetzt viele Dinge auch aus einem anderen Sichtfeld zu betrachten. Freunde und Familie am anderen Ende der Welt zu haben hat etwas wunderschönes, aber leider vermisst man sie auch.

Insa


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