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Am besten: sich verlieben :-)

Lukas, Austauschjahr in Avignon

Schuljahr "Frankreich Classic" ab Sommer in der Provence

Vorab soll gleich gesagt sein, dass dieses Jahr mich positiv geprägt und mein Leben verändert hat.

Ankunft

Fangen wir einfach einmal da an, wo das Auslandsjahr wirklich und direkt beginnt...ohne vorher den ganzen Organisationskram zu erklären, den eh alle durchlaufen müssen, und der bei jedem sehr ähnlich ist.

Am 27.8. ging der Tag sehr früh für mich los, ab nach Hamburg in den Flieger „destination“ Paris. Ab hier fing das Ganze für mich persönlich an, denn ab dem Moment hatte ich für die nächsten folgenden Monate ein Sprachproblem.

Schon das einfache „Tu viens d'ou?“ der freundlichen Dame, die mich und einige andere in Paris in die folgenden Flieger/Züge setzen sollte, verwirrte mich, und ich musste erst einmal verstehen und dann auch noch versuchen zu antworten.

Ich muss gestehen, dass ich die Jahre davor ein sehr fauler Schüler in Französisch war, und deshalb selber Schuld war.

 Der TGV, der mich dann nach Avignon fuhr, war sehr voll und kam nach dreieinhalb Stunden endlich an. Kaum stieg ich aus dem Zug, hörte ich, wie jemand meinen Namen rief, allerdings nicht „Lukas“ - wie hierzulande üblich – sondern ein französisches „Lüka“.

Auch daran kann man sich gewöhnen, dachte ich und begrüßte meine Gastmutter mit den typischen, in der Provence üblichen drei Bisous (Küsschen auf die Wange).

Auch jetzt begann ich (nicht zum letzten Mal), meine schlechte Aufmerksamkeit im Französisch-Unterricht zu bereuen, da meine Betreuerin und meine Gastmutter nun wirkliche Probleme hatten, mich zu verstehen, geschweige denn sich verständlich zu machen.

Nach einigen Formalitäten ging es dann direkt über Landstraße und über einen kleinen Schleichweg durch Weinberge mitten in die Pampa - nach Mormoiron: ein Dorf, das stolze 2500 Einwohner zählt.

Meine beiden älteren Gastbrüder erwarteten mich bereits, und als mein Gastvater vom Einkaufen wiederkam, aßen wir bei 35°C natürlich draußen.

Die ersten Tage waren - vom Sprachproblem abgesehen - sehr komische Tage. Nicht im schlechten Sinn, aber ich musste mich erstmal an die sieben Katzen, das kleinere Haus, das Dorf und meine neue Familie gewöhnen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nichts über die Gegend, konnte kein richtiges Französisch und fühlte mich leicht verloren.…

Erster Schultag

Nach einer guten Woche Ferien in meiner Gastfamilie ging dann Anfang September die Schule wieder los. Mein älterer Gastbruder half mir, in meine Klasse zu finden und ich setzte mich einfach dazu.

Als die Lehrerin anfing, den Stundenplan zu verlesen, verstand ich KEIN Wort, aber zum Glück teilte sie ihn am Ende der Stunde nochmal schriftlich aus!

Meine Klasse bestand aus fünf Jungs und 32 Mädchen :-)

Den ersten Tag verbrachte ich also unter einer großen Schar von Französinnen, die mich wahrscheinlich ausfragten, was ich denn hier mache und wer ich bin etc...

Aber ich verstand es einfach nicht. Auch hier wieder: das Sprachproblem, das es mir schwer machte, mich wirklich auszudrücken..

Aber ich tat mein Bestes und so hatte ich schon nach einigen Tagen Freunde gefunden, mit denen ich ein ganzes Jahr lang Spaß haben sollte.

Schulalltag

 Nun denn, nach dem eben beschriebenen Tag, wurde ich jeden Morgen um 6:30 geweckt und nach einem „Frühstück“ (eine Schüssel Kaffee) gings mit dem Auto ins 15 Kilometer entfernte Carpentras zur Schule...

Normalerweise dauerte das dann bis 18:00.

Die typische Schulstunde sah folgendermaßen aus: Der Lehrer schloss die Klasse auf, alle gingen rein, er verlas die Namensliste (wer fehlte, bei dem wurde angerufen) und danach hieß es nur noch: Mitschreiben...bloß kein Unterrichtsgespräch, kein Meinungsaustausch: FRONTALUNTERRICHT

Am Vormittag vier Stunden bis 12:10 Uhr, dann eineinhalb Stunden Mittagspause zum Essen, entweder in der Kantine (die - mit Verlaub - nun leider wirklich nicht gut war) oder eben in einer der nahe liegenden Snack Bars.

Danach ging es munter weiter bis 18:00 Uhr, was ich von Anfang bis Ende sehr hart fand!!

Für außerschulische Aktivitäten wie in Deutschland, war keine Zeit...

Gegen 18:30 Uhr war ich meistens wieder zu Hause, zum Essen, HAs machen und dann schlafen.

Zum Glück hatte ich Donnerstag und Mittwoch nur bis mittags Schule, sodass ich wenigstens ab und zu ein wenig freie Zeit hatte :-)

Mein Gastbruder hatte sogar samstags Schule.

Also: Für alle, die lange Schule nicht abkönnen – denen kann ich von Frankreich nur abraten!

Sprache

Der Punkt wird wahrscheinlich viele von Euch interessieren. “Wann fängt man an, auf Französisch zu denken?” “Wie lange braucht man, um zu sprechen??”, “Wie kann man es schneller lernen?”

Ich kann nur eins sagen: Es kommt von ganz alleine, allerdings geht es schneller, wenn man so wenig wie möglich mit zu Hause spricht.

Ich hab den Fehler gemacht, zuerst sehr viel mit zu Hause zu chatten und zu sprechen. Deshalb hat der ganze Prozess etwas länger gedauert.

Aber selbst ich habe dann spätestens um Weihnachten herum – also nach drei Monaten- angefangen zu sprechen und zu fluchen in der wunderschönen Landessprache.

Dazu gehören

Wichtig ist es, sich mit den Leuten richtig anzufreunden und mit ihnen zu feiern, viel Zeit zu verbringen und am besten: sich zu verlieben :-)

Außerdem habe ich bei einem Theaterprojekt in dem kleinen Kaff mitgemacht, das fand ich zuerst komisch, aber das hat den Zusammenhalt total gefördert. Und als ich mit meiner Familie dann im Sommer dort wieder zu Besuch hingefahren bin, konnten sich alle noch gut an mich erinnern.

Ich werde sicher auch weiter in Kontakt mit ein paar besonders netten Leuten bleiben - wir sind über facebook in Verbindung- und vor allem natürlich mit meiner tollen Gastfamilie, die sich echt ein Bein für mich ausgerissen haben. Da hatte ich richtig Glück!

Heimweh

Auch wenn ich manchmal Heimweh hatte – das erste Mal so nach zwei Monaten - konnte ich das in meiner Gastfamilie immer ehrlich sagen. Und irgendwie ist das dann auch immer von allein wieder weggegangen. Die Weihnachtstage waren besonders komisch und dann gab es nochmal im Februar ein totales Tief, als ich dachte: “Das pack ich hier alles nicht mehr.” Im Rückblick ist das aber schnell verflogen – ich bin so froh, dass ich es durchgehalten habe!

Ich hoffe, ich konnte Euch irgendwie mit meinem Bericht helfen, Euch dafür oder dagegen zu entscheiden!

Aber in jedem Fall sei gesagt: So ein Jahr woanders kann sich nur lohnen!!

Lukas

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