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Spanisch lernen leicht gemacht

Nordlichtstipendiatin Sophie, ein Jahr in Córdoba

Meiner erster Monat

Voller Vorfreude auf Argentinien und meine neue Familie verabschiedete ich mich vor einem Monat von meiner deutschen Familie. Allein die Reise dauerte schon 35h, die ich nur durch nette Sitznachbarn und die anderen Austauschschüler überstanden habe. Als wir dann alle in Córdoba angekommen sind, sind wir gleich ins Hotel gefahren, in dem wir dann eine Woche lang auf das Jahr vorbereitet wurden mit hilfreichen Tipps, den Programmregeln und Geschichten von alten Austauschschülern. Am Samstag haben wir am Vormittag Empanadas gebacken, um sie mit unseren Familien, die zum Mittagessen gekommen sind, zu essen. Ich war, genauso wie alle anderen, sehr gespannt auf meine Familie und

als ich sie endlich gesehen habe war ich überglücklich.

Das Haus meiner Gastfamilie ist klein, aber liebevoll gestaltet. Ich teile mir mit meinen zwei Schwestern ein Zimmer und so bin ich nie allein.

Am ersten Wochenende waren wir bei meinen neuen Großeltern zum Mittagessen. Es gab Asado, das ist die argentinische Art des Grillens mit sehr viel leckerem Fleisch. Von der Unterhaltung habe ich nicht so viel verstanden, weil mein Spanisch sehr schlecht war. Inzwischen verstehe ich mehr und auch oft den Inhalt eines Gespräches. Nach dem Essen habe ich mich hingelegt und Siesta gehalten. Inzwischen mache ich jeden Tag Siesta, wenn ich Zeit habe, weil die Tage sehr lang sind und das Spanischsprechen müde macht.

Fast alle anderen Familienmitglieder habe ich auf einer Familienfeier kennen gelernt. Es gab sehr viele typische Gerichte zu essen, wie Empanadas und Locro, und die Erwachsenen haben Karaoke gesungen und getanzt.

Letztes Wochenende haben wir eine Tante in Carlos Paz besucht, Asado gegessen und die Sonne genossen.

In der ersten Woche in meiner Familie bin ich noch nicht zur Schule gegangen, sondern hatte Sprachunterricht, in dem wir aber immer mehr Deutsch als Spanisch gesprochen und uns vor allem über unsere Familien ausgetauscht haben. Am Mittwoch hat mein Jahrgang aus der Schule einen Ausflug in ein Kloster gemacht. Ich bin da mitgefahren, um meine jetzige Klasse kennen zu lernen. Alle waren offen und haben mich gleich integriert. Darüber habe ich mich total gefreut! Inzwischen habe ichSophie mit ihrer Gastfamilie Freunde gefunden und war schon bei einem Mädchen zu Hause zum reden und Kuchen backen.

Einmal hatten wir in der Schule einen Festakt, bei dem die argentinische Hymne gesungen und ein Theaterstück aufgeführt wurde und ein paar Schüler gesungen haben. Man hat leider nicht viel gehört, weil das Mikrophon kaputt gegangen ist.

Insgesamt war mein erster Monat total interessant, schön und aufregend. Die Zeit ging auch so schnell vorbei, dass ich fast keine Zeit für Heimweh hatte.

September

Im September bin ich ziemlich viel gereist.

Am Anfang bin ich mit meiner Austauschorganisation und den anderen deutschen Austauschschülern nach Iguazú in den Norden von Argentinien gefahren. Iguazú liegt an der Grenze zu Brasilien und Paraguay und ist für seine Wasserfälle berühmt.

Da die Strecken in Argentinien alle viel länger sind als in Deutschland, sind wir am Morgen losgefahren und erst am nächsten Tag nach 24h Reise in Missiones (die Provinz) angekommen. Gleich nach dem Frühstück haben wir eine Halbedelsteinmine besichtigt, in die wir aber leider nicht so weit reingehen konnten, weil da noch gearbeitet wird. Danach sind wir weiter ins Hotel gefahren und haben uns den restlichen Tag am Pool entspannt. Schon am nächsten Tag sind wir nach Brasilien gefahren um die Wasserfälle zu sehen. Fast alle Wasserfälle sind in Argentinien, aber man sieht sie oft schöner von Brasilien aus. Die Sicht war die ganze Zeit wunderschön und es ist immer besser geworden. Die Teufelsschlucht ist das Beeindruckteste, was ich in meinem Leben bisher gesehen habe. Das sind viele Wasserfälle die in einem Halbkreis herunter stürzen und man steht mittendrinnen. Es gibt keine Wörter um zu beschreiben, wie schön es ist mit dem ganzen Wasser, den permanenten Regenbögen, dem grün des Urwalds... Wir sind alle nass geworden, aber das hat mit der Sonne und der Hitze nichts ausgemacht.

Am nächsten Tag haben wir ein Ureinwohnerdorf besucht und von zwei Jugendlichen eine kleine Einführung in die Kultur und Lebensweise der Dorfbewohner bekommen. Am Nachmittag waren wir in einer Art Krankenhaus für Tiere.

Am Sonntag haben wir noch einmal die Wasserfälle gesehen, aber von der argentinischen Seite aus. Wir haben die Wasserfälle aus allen Blickrichtungen gesehen: wir sind direkt davorgestanden, oben drüber gelaufen, aus der Ferne... Der Anfang war wunderschön und wir haben auch viele Tiere, wie Affen, Waschbären oder Schmetterlinge gesehen, aber beim Mittagessen hat es geregnet und dann waren alle Tiere weg – in der Teufelsschlucht gab es ziemlich viel Nebel. Trotzdem war es wunderschön.

Bevor wir abgefahren sind, haben wir noch das Dreiländereck (Paraguay-Brasilien-Argentinien) gesehen und Aripuka besucht. Das ist so eine Art

Gedenkstätte für die alten, riesigen Urwaldbäume, die heute alle abgeholzt sind.

Schon ein paar Tage später bin ich mit der Hälfte meines Jahrgangs aus meiner argentinischen Schule in den Nordosten von Argentinien gefahren. In die Provinzen Salta, Jujuy und Tucuman.

Am ersten Tag haben wir die Stadt Salta besichtigt und sind auf einen Berg gefahren, um sie von oben zu sehen.

Am 2. Tag sind wir weiter ins Gebirge gefahren, um die Ureinwohnerdörfer Humauaca und Purmamarca und die Rekonstruktion eines alten Indodorfes zu besichtigen. Die Landschaft hat mich schon auf der Fahrt beeindruckt mit der Trockenheit, den Kakteen und den vielen verschiedenen Farben der Berge. In Purmamarca haben wir den Berg mit den 7 Farben gesehen und außerdem gab es einen ziemlich großen Markt mit Kunst der Indos, auf dem alle viel gekauft haben. Danach ging es weiter nach Humauaca, in der es noch mehr Kunsthandwerk gab. Dort haben wir gegessen und typischer Musik zugehört. Manche Lieder haben wir zuvor in Musik gesungen und die haben im Restaurant alle mitgesungen. Später sind wir in einen botanischen Garten mit Kakteen gegangen und haben die rekonstruierte Stadt angeschaut.

Am nächsten Tag haben wir ein Museum besucht, welches für drei Kinder ist, die von den Inka Göttern geopfert wurden und als Mumien „überlebt“ haben. Außerdem waren wir raften, danach sind wir weiter nach Cafayate, das ist eine andere Stadt in Salta, und haben dort übernachtet.

Am letzten Tag haben wir noch eine Käserei, ein Weinmuseum, eine Weinkellerei und Quilmes besucht. Das ist eine alte Stadt des Stammes Quilmes und fast nur noch Ruinen, aber sehr schön und beeindruckend. Auf dem Heimweg sind wir noch in Tucuman durch den Urwald gefahren und haben in der Hauptstadt gegessen. Nachdem wir so viel gesehen und erlebt hatten, ging es dann endgültig zurück  nach Córdoba.

Beide Reisen haben mir sehr gut gefallen, aber man kann sie nicht vergleichen, weil die Gegenden einfach so unterschiedlich sind.

Ich kann nur sagen: Dieser Monat war wieder wunderschön, interessant und ist sehr schnell vergangen. Inzwischen habe ich auch Freunde gefunden, mit denen ich in der Schule immer zusammen bin. Ich werde immer sehr viel gefragt, wie Deutschland ist und wie mir Argentinien gefällt... Und Mitschüler aus anderen Stufen, mit denen ich noch nicht gesprochen habe, sind beim ersten Gespräch oft erstaunt, dass ich überhaupt schon Spanisch sprechen kann – so langsam kommt also der Alltag und alle haben sich an mich gewöhnt.

Mit der Sprache wird es auch immer besser und mir sagt fast jeden Tag jemand, dass ich flüssiger und mehr als am Anfang spreche und… ich verstehe auch jeden Tag mehr. In meiner Familie fühle ich mich wie zu Hause. Vor allem mit meiner älteren Schwester und meiner Mutter rede ich sehr viel.

Oktober

Dieser Monat ist noch schneller vergangen als die ersten beiden. Vor kurzem hat ein Junge aus meinem Jahrgang gemeint, dass wir schon wieder einen Monat von der Klassenfahrt zurück sind. Ich konnte es gar nicht fassen, dass die Zeit so schnell vorbei war.

Anfang Oktober war ich mit meiner Mutter und meiner Schwester auf dem Oktoberfest. Das findet hier in einem Dorf, in dem hauptsächlich deutsche Einwanderer wohnen, statt. Ich fand es ziemlich lustig zu sehen, was Argentinier für deutsche Kultur halten (z.B. Dudelsackspieler, seltsame Filzhüte usw.) - ich hatte viel zu Lachen. Richtig schön fand ich, als wir einem Orchester zugehört haben und dann plötzlich, als das Orchester argentinische Lieder gespielt hat, der ganze Platz zu tanzen angefangen hat. Sogar ein alter Mann hat mitgetanzt.Immer wieder wenn so etwas passiert, dass auf der Straße jemand anfängt zu tanzen oder zu singen, liebe ich Argentinien mehr. Die Leute sind einfach viel spontaner und lebenslustiger als in Deutschland.

Auf den Familienfeiern wird auch mehr gelacht und getanzt als in Deutschland. Auf dem Geburtstag eines Onkels haben irgendwann er und ein paar andere angefangen traditionelle Tänze zu tanzen. Sogar meine Großmutter hat mitgetanzt.

Letztes Wochenende war ich in Buenos Aires, um die Hauptstadt kennen zu lernen. La BocaBuenos Aires hat einen ganz anderen Charakter als Cordoba. Das Zentrum ist älter, sauberer und reicher als Cordoba. Es gibt aber auch viele Armenviertel und da ist es nicht mehr so sauber. Am meisten habe ich mich auf „La Boca“ gefreut, weil eines der ersten Bilder, die ich von Argentinien gesehen habe, dort auf dem Caminito (auf deutsch: Wegchen) geschossen wurde. La Boca ist ein Stadtviertel, das ursprünglich von Hafenmitarbeitern bewohnt wurde, die ihre Häuser in allen möglichen bunten Farben angemalt haben. Am Caminito ist jedes Haus angemalt und alles sieht sehr schön aus. Dort stehen auch an jeder Ecke Tangotänzer, denen man zuschauen kann.

Wir waren auch in einem Freizeitpark, einem Künstlermarkt, der Kathedrale, dem rosa Haus (ein Regierungsgebäude), eine Tangoshow, der 9 de Julio (die breiteste Straße der Welt mit 8 Spuren in jede Richtung), dem Friedhof aller wichtigen Personen in Argentinien und und und...Insgesamt ist die Zeit viel zu schnell vergangen und ich hoffe noch einmal nach Buenos Aires zu kommen, um alles noch besser kennenzulernen.

Mein Spanisch wird auch jeden Tag besser. Manchmal kann ich in Gesprächen mitreden und wenn ich nur mit einer Person rede kann ich fast alles sagen was ich will und auch fast alles verstehen. Auch bei Filmen verstehe ich das Meiste, sogar ohne Untertitel. Am Anfang habe ich gedacht, dass das viel länger dauert.

Auch mit Freunden wird es immer besser. Ich habe seit ungefähr einem Monat Freunde, war aber nie in einem Freundeskreis, sondern habe jede Pause gewechselt. Seit ein paar Tagen bin ich jetzt aber fest in einem Kreis.In der Schule komme ich auch besser zurecht als erwartet. Zum Glück muss ich nur in 5 Fächern mitmachen, aber in diesen 5 bin ich fast besser als meine ganze Klasse.

November

Diesen Monat war ich mit meiner Austauschorganisation in Puerto Madryn. Das ist relativ weit im Süden von Argentinien in Patagonien.

Wir mussten ziemlich lange Bus fahren (ungefähr 24 Stunden) weil die Entfernungen in Argentinien so weit sind. In den Bussen kann man aber ziemlich gut schlafen und auch gut herumlaufen, so war die Fahrt nicht ganz so schlimm. Außerdem ist im Bus noch eine andere Gruppe mit deutschen Austauschschülern gefahren und so hatten wir viele Leute zum Reden.

Die Landschaft in Patagonien ist anders als alles was ich in meinem Leben gesehen habe: Es gibt keine Bäume, nur Sträucher und die Landschaft ist ziemlich ausgetrocknet. Ich fand sie schön, vor allem weil man immer wieder Tiere gesehen hat. Ich habe Strauße, Flamingos, Schafe, eine Art Lama und wilde Pferde aus dem Bus gesehen.

In Puerto Madryn hatten wir eine Stadtführung, sind am Strand spazieren gegangen, haben einen Ausflug nach Puerto Pirámides gemacht um Wale zu sehen und einen zum Punto Tombo. Punto Tombo ist die größte Pinguinkolonie in Argentinien und die Pinguine laufen einem über den Weg, so dass man sie aus der Nähe sieht. Auf dem Rückweg von diesem Ausflug haben wir eine Pause in einer Stadt gemacht und dort haben wir einen Festumzug von Gauchos in traditionellen Kleidern auf Pferden gesehen. Gauchos sind die argentinische Variante zu den Cowboys, also den Kuhhütern.

Auf dem Heimweg haben wir noch an einem Strand halt gemacht, an dem es viele Papageien gab.

Die Reise war ganz anders als alle anderen Reisen bisher. Viel gemütlicher und ruhiger, weil wir so viel am Meer waren und spazieren gegangen sind. Eigentlich war ich nie der große Tierfan, aber es hat mir gefallen die Tiere zu beobachten, zu warten bis sie kommen oder zu genießen, dass sie da sind.

In der Woche danach hatte ich Geburtstag. Ich war mit meiner Familie in einer Art Eisdiele, um meine Geburtstagstorte zu essen. Diesen Monat hatten auch mein Bruder und meine älteste Schwester Geburtstag und da sind jeweils meine Großeltern zu Besuch gekommen. Am Wochenende nach meinem Geburtstag war ich zusammen mit meiner Schwester, ihren Freunden und ein paar von meinen in einer Disko als Geburtstagsfeier.

Letzten Sonntag sind auch noch die Großeltern und eine Tante mit ihrem Mann und ihren Kindern gekommen zum Nachfeiern der 3 Geburtstage. Wir haben gegessen, uns dann gemütlich im Garten unterhalten und meine Mutter hat Gitarre gespielt und gesungen. Am Abend davor haben wir mit dem anderen Teil der Familie gefeiert, weil meine andere Großmutter auch Geburtstag hatte.

Inzwischen bin ich in einem festen Freundeskreis in der Schule, ich verstehe mich immer besser mit meiner Familie und habe auch fast kein Heimweh mehr. Meistens kann ich auch ganz normal in Gesprächen mitreden, wenn ich mich konzentriere und das Thema nicht zu schwer ist. Ich kann meine Zeit hier jetzt richtig genießen.

Dezember

Am 8. Dezember haben wir unseren Arbolito (Bäumchen) aufgestellt und geschmückt. Er blinkt in verschiedenen Farben und Geschwindigkeiten, ist grün und hat schöne Kugeln. Danach ist erst mal nicht so viel Weihnachtliches passiert, nur dass ich meiner Familie einen Adventskalender gebastelt habe und dass wir zusammen Loibla gebacken haben. Lauter deutsche Weihnachtsvorbereitungen also.

Am 23. bin ich in die Stadt gegangen, um die Weihnachtseinkäufe zu machen – bei ungefähr 43°C. Es gab eine Hitzewelle, in der wir 2 Wochen lang jeden Tag 40 Grad hatten oder mehr. In manchen Provinzen war es sogar so heiß, dass die Leute Eier auf der Straße gekocht haben.

Aber jetzt wieder zurück zu Weinachten: Am 24. hat meine Mutter den ganzen Vormittag über gekocht, den Nachmittag haben wir im Pool verbracht und am Abend so gegen 9 Uhr sind wir zum Haus meiner Großeltern gefahren. Dort hat sich ein großer Teil meiner Familie getroffen und wir haben zusammen gegessen, gelacht und geredet. Weil hier Weihnachten erst um Mitternacht beginnt, haben wir um Mitternacht angestoßen, uns umarmt und „Frohe Weihnachten“ gewünscht. Danach ist der Weihnachtsmann gekommen (für die Kleinen mussten wir so tun als ob), wir haben die Geschenke geöffnet und danach ein kleines Feuerwerk gemacht. Den Rest der Nacht haben wir mit essen, reden,... verbracht. Nach und nach sind alle gegangen und um 5 Uhr am Morgen bin ich dann auch schlafen gegangen. Eigentlich gehen die Jugendliche in Argentinien am 24. und am 31. feiern, aber meiner Mutter war das zu gefährlich und deswegen sind wir im Haus geblieben.

Am 25. waren wir noch ein bisschen im Haus meiner Großeltern und sind danach nach Hause gefahren. Am Abend haben wir dann noch mit dem Vater meiner Geschwister und diesem Teil der Familie gefeiert.

An Silvester waren wir auch wieder bei meinem Vater. Wir haben viel gegessen und um Mitternacht angestoßen. Später haben wir ein kleines Feuerwerk gemacht und gegessen. Als wir dann wieder zu Hause waren, habe ich mich mit meiner einen Schwester in die Küche gesetzt und wir haben noch geredet und gelacht.

Januar

Diesen Monat habe ich die Sonne und die Hitze genossen. Es ist sogar für hier untypisch heiß gewesen. Ich bin viel in unserem „Planschbecken“ gelegen, habe ein bisschen spanisch gelernt und wenn es dann irgendwann am Abend dunkel und ein bisschen kühler geworden ist, haben wir uns alle auf die Terrasse gesetzt, gegessen und geredet.

Es war immer so heiß, dass man am Nachmittag fast nicht aus dem Haus gehen konnte und deswegen bin ich meistens im Haus geblieben. Als es dann irgendwann mal ein paar Tage ein bisschen kälter geworden ist, habe ich das gleich ausgenutzt und mich mit Freunden getroffen.

Im Januar fangen in Córdoba die Festivals an. Gleich in den ersten Januartagen gab es das „Festival nacional de la doma y folklore“, was übersetzt das nationale Festival der Pferdezucht und Folklore ist. Die ersten Tage habe ich öfters im Fernsehen mitverfolgt und an einem Abend bin ich dann mit meiner Mutter und meiner Schwester dorthin gefahren.

 In der Stadt, in der das Festival stattfindet, gibt es ein extra Stadion dafür mit einer großen Wiese, einer Bühne für die Sänger und Tribühnen. Die Pferde, die gezähmt werden, sind alle in der einen Ecke eingezäunt und am anderen Ende des Stadions wird immer eins an einen Pfosten hingeführt. Ein Gaucho (so ähnlich wie die Cowboys in den USA) steigt auf das Pferd und muss einige Sekunden sitzen bleiben, während das Pferd durch das Stadion rennt. Zwischendurch sind dann immer ein paar Sänger gekommen.

Letzte Woche war ich auf einem Festival der Folklore. Dort sind die ganze Nacht verschiedene Sänger aufgetreten. Wir waren sogar in der Nacht mit dem berühmtesten Folkloresänger Argentiniens, aber der ist erst irgendwann spät in der Nacht aufgetreten und deswegen haben wir ihn nicht gesehen, weil uns das zu spät war und wir keinen Sitzplatz hatten.

Gestern habe ich mit meiner Schwester einen Ausflug in die Kondoren Schlucht gemacht. Das ist ein Nationalpark in der Nähe von Córdoba. Dort hatten wir einen Touristenführer, der uns quer Feld ein in den Park geschickt hat und uns viele Vogelarten und Pflanzen erklärt hat. Er konnte sogar einige Vogelarten auf Deutsch und so konnte ich auch einige neue Namen lernen. Wir haben an einem Balkon Mittagspause gemacht, von wo aus wir eine sehr gute Sicht auf die Kondore hatten. Kondore sind die größten, fliegenden Vögel der Welt. Nach der Mittagspause sind wir durch den Park mit ein paar Stopps an Bächen zum abkühlen zum Ausgangspunkt zurückgelaufen.

Bei einem Stopp haben wir Mate getrunken, das ist eine Art Tee, die man aus einem Gefäß, das man nur für Mate benutzt, trinkt. Alle teilen dasselbe Gefäß, es wird herumgegeben und bei jeder Person mit neuem heißen Wasser aufgefüllt.

Einer unserer Hunde, Pachi, hat vorletzte Woche Welpen bekommen. Wir haben es erst Anfang Januar gemerkt, dass sie schwanger ist, nach mehr als einem Monat. Pachi hat 7 Welpen, aber noch kein einziges hat bis jetzt die Augen aufgemacht.

Es ist schon mehr als die Halbzeit vorbei. Ich bin mir nicht ganz sicher ob die Zeit schnell oder langsam vergangen ist, weil ich so viel neue Sachen gesehen habe, neue, wunderbare Menschen getroffen habe, eine neue Familie gefunden habe und spanisch gelernt habe, aber es gab auch schwere Zeiten, in denen ich geweint habe und am liebsten wieder zurück wollte.

Insgesamt, war es aber sehr, sehr schön bis jetzt und ich freue mich schon auf die 2. Hälfte. Ich freue mich auch schon darauf meine deutsche Familie und Freunde wiederzusehen, aber wenn ich daran denke, dass ich mich dafür von den Leuten hier verabschieden muss, werde ich traurig.

Februar

Untypisch für den argentinischen Sommer und ganz im Gegenteil zum Januar hat es diesen Monat fast immer geregnet. Ich war also viel im Haus, bin in langer Hose herumgelaufen und habe Tee getrunken. Weil immer noch Ferien waren, habe ich mich gelangweilt und den letzten Monat Ferien genossen.

Anfang Februar war ich mit ein paar deutschen Austauschschülern auf einem Festival der Kulturen in Alta Gracias, das ist eine Stadt in der Nähe von Cordoba. Wir haben uns die Stände zu den verschiedenen Ländern angeschaut, die Musik gehört und viel gelacht und geredet. Leider war das ganze Essen so überteuert, dass wir fast nichts gekauft  haben. Nachdem wir schon alles angeschaut hatten, haben wir uns ein Zelt ausgesucht mit guter Musik und den Rest der Nacht tanzend verbracht.

An einem anderen Tag bin ich mit meinen Geschwistern und ihrem Vater nach Santa Maria de Punilla (ein kleines Dorf) gefahren, um dort Freunde zu besuchen. Danach wollten wir noch den restlichen Tag am Fluss verbringen, aber es hat angefangen zu regnen und wir sind heimgefahren. Auf dem Weg haben wir noch einen Stopp bei der Plaza Federal gemacht. Das ist ein Platz, der das geografische Zentrum Argentiniens markiert.

Ein paar Tage später bin ich mit meiner Schwester, meinem Cousin und meinem Onkel Wandern gegangen. Eigentlich wollten wir auf einen Berg steigen, aber das war dann zu gefährlich wegen dem Regen und wir sind in einer Schlucht, in der Nähe von dem Dorf in dem mein Onkel wohnt, gewandert. Am ersten Tag sind wir bis zu einem Wasserfall gekommen, dort haben wir dann unsere Zelte aufgestellt und noch eine kleinere Tour in der Nähe des Wasserfalles gemacht. Als wir zurück zu unseren Zelten gekommen sind, hat es angefangen zu regnen. Wir konnten fast kein Feuer wegen dem nassen Holz machen, haben den Abend kartenspielend in einem Zelt verbracht und in der Nacht ist dann ganz viel Wasser durch den Zeltstoff ins Zelt gekommen, hat alles nass gemacht und deswegen war es ziemlich kalt. Am nächsten Tag fand es mein Onkel zu gefährlich, den Fluss weiterzugehen. Es bestand die Gefahr, dass er zu stark angewachsen war und so sind wir zurück zu seinem Haus gelaufen.

Am letzten Februarwochenende haben sich alle Deutschen meiner Organisation in Rio Ceballos getroffen, um die neuen Austauschschüler kennen zu lernen, die in dort in einem Hotel ihre ersten Tage verbracht haben. Wir sind gemütlich im Garten gesessen, haben Mate getrunken und wir "Alten" haben den Neuen erzählt, was wir so den ganzen Tag machen. Nach dem Treffen kamen die Familien der „neuen“ Austauschschüler,  haben sie abgeholt und sind mit ihnen ins neue Zuhause gefahren.

März

Gleich am ersten Wochenende dieses Monats bin ich mit meiner Schwester und einer Freundin von den deutschen Austauschschülern auf ein Rock Festival gegangen. Meine Schwester wollte hauptsächlich wegen einer Band aus Puerto Rico (Calle 13) hingehen, aber auch die anderen Bands waren ziemlich gut. Es war alles spanischer Rock oder Rap, ich höre hier mehr spanische als englische Lieder. Leider hat es an dem Nachmittag geregnet und das Konzert ist eine ziemliche Schlammschlacht geworden, aber mir hat es ziemlich gut gefallen.

Gleich ein paar Tage später hat – nach fast 3 Monaten Ferien – die Schule wieder angefangen und ich muss sagen, dass ich froh darum bin. Klar, es war schön immer auszuschlafen zu können, aber dafür habe ich viele Leute nie in den Ferien gesehen und mir war oft langweilig.

Das neue Schuljahr hat auch gleich richtig gut angefangen. Zuerst haben die Lehrer gestreikt und es war nicht sicher, wann der erste Schultag ist. Letztendlich hat die Schule am Freitag angefangen und in der Nacht von Donnerstag auf Freitag bin ich mit meinem Jahrgang feiern gegangen. Wir haben so unseren letzten ersten Schultag gefeiert, weil wir in die 6. Klasse, also die Abschlussklasse, gekommen sind.

Wie es typisch für Argentinien ist, haben wir uns erst gegen 23 Uhr im Haus eines Mitschülers getroffen und sind dann zusammen ins Zentrum zur Disko gelaufen. Dort haben wir die ganze Nacht getanzt und als die Musik ausgegangen ist, haben wir uns auf einem Platz getroffen und wollten von da aus frühstücken gehen, aber keine Bäckerei war geöffnet. So sind wir am Ende in eine Tankstelle gegangen. Von dort aus haben wir auf dem Weg zur Schule einen kleinen Zwischenstopp im Haus einer Freundin gemacht, um unsere Schuluniform anzuziehen und sind direkt weiter in die Schule gelaufen.

Weil ich in die Abschlussklasse gekommen bin, haben wir uns eine neue Uniform machen lassen mit Namen, Jahrgang,... Um die T-Shirts und Jacken in der Schule vorzustellen, haben wir, als der Schultag aufgehört hat und alle Schluss hatten, vor der Schule ein großes Durcheinander veranstaltet: Wir haben margentinische Schülerinnenit verrücktem Schaum herumgesprüht, haben laut geschrien („sexto, sexto, sexto“- „sechste, sechste, sechste“) und sind herumgehüpft.

Den restlichen Monat über ist nicht mehr so viel passiert. Es wird hier jetzt richtig Herbst und die Blätter fallen alle von den Bäumen. Aber wir haben fast immer schönes Wetter, nicht so nasskalt und neblig wie der Herbst in Deutschland :). Sonst ist hier ganz normaler Alltag: Ich gehe in die Schule, komme nach Hause zum Essen, Montags muss ich wieder für den Sportunterricht (ich mache Volleyball) zurück in die Schule, Donnerstags esse ich direkt in der Schule vorm Sport und die restlichen Tage lege ich mich nach dem Essen in mein Bett, um eine Siesta zu halten (sowas wie Mittagsschlaf – das machen hier alle). Danach kommt eine Novela im TV, die ich fast jeden Tag anschaue, danach, so um 6 oder 7 Uhr, trinke ich Mate mit meiner Familie, wir sitzen alle am Tisch, machen Hausaufgaben, lesen oder reden. Fast immer läuft das Radio, weil meine Familie Musik liebt. Danach wird geduscht, zu Abend gegessen, Fern geschaut und so gegen Mitternacht geht’s ins Bett.

Am Freitag habe ich immer noch Spanischunterricht am Abend, um die Grammatik ein bisschen zu verbessern und ab und zu treffe ich mich auch mit Freunden am Nachmittag, um gemeinsam die Novela zu sehen, zu reden oder Mate zu trinken.

April

Im April war Ostern. Ostern wird hier nicht mit so viel Aufwand gefeiert wie in Deutschland. Ich habe mit meiner Klasse einen Kreuzweg in der Schule aufgeführt. Zuvor haben wir das Stück im Theaterunterricht mit unserer Lehrerin einstudiert und dann am Mittwoch vor Gründonnerstag aufgeführt. Nach dem Kreuzweg bin ich mit meiner Klasse zum Mittag zu Mac Donalds gegangen und wir haben den ganzen Tag zusammen verbracht.

Gründonnerstag und Karfreitag hatten wir schulfrei und am Karsamstag bin ich mit meiner Mutter und meiner Schwester Belu in den Zoo gegangen. Wir hatten das schon seit Anfang des Jahres geplant, aber es war immer zu heiß, zu kalt, zu regnerisch oder wir hatten keine Zeit. Letztendlich haben es wir dann doch geschafft und haben einen schönen Tag verbracht. Es gab auch viele argentinische Tiere, wie zum Beispiel Lamas, die ich schon auf meinen Reisen in der Natur gesehen hatte. Jetzt fand ich es interessant, sie noch einmal aus der Nähe zu sehen.

Am Abend sind wir dann in die Messe gSophies Gastfamilieegangen, die in der Sporthalle einer Schule in meiner Nähe stattgefunden hat.

Zu Hause hat meine Mutter jedem ein Osterei aus Schokolade geschenkt und danach haben wir uns gemütlich einen Film angeschaut.

Am nächsten Morgen sind wir zum Haus der Großeltern gefahren und haben dort mit ein paar anderen Verwandten zu Mittag gegessen.

Ende April hat meine Mutter Geburtstag gehabt, dazu habe ich ihr am Tag zuvor eine Geburtstagstorte gebacken. Am Abend vor ihrem Geburtstag sind ihr Freund, der Freund meiner Schwester und die Freundin meines Bruders gekommen und wir haben gemütlich in ihren Geburtstag gefeiert. Um Mitternacht haben wir angestoßen und nach und nach sind wir alle schlafen gegangen.

Ende April/Anfang Mai war ich noch für 1 Nacht ein letztes Mal reisen, bevor ich wieder nach Deutschland zurück musste. Die Reise ging in den Nationalpark Ischigualasto. Der Park ist in zwei Provinzen aufgeteilt – in der einen Provinz ist das Mondtal (es heißt so, weil die Landschaft dem Mond ähnelt) und in der anderen Provinz ist Talampaya.

In TalampaySophie a gibt es auch Zeichnungen von Ureinwohnern. Mir hat die Reise wirklich gut gefallen, weil ich noch nie so eine Landschaft gesehen habe. Alles war trockene Wüste, und auf ein paar Bergspitzen, die wir in der Ferne gesehen haben, lag Schnee. Die Steinformationen waren total ungewöhnlich, beeindruckend und schön.

Am zweiten Tag haben wir zufällig ein paar Austauschschüler aus einer anderen Organisation getroffen und haben uns gleich über alles Mögliche ausgetauscht.

Ich bin froh, dass mir noch Zeit hier bleibt. Viele von den Deutschen, die mit mir gekommen sind, müssen jetzt schon fahren. Ich freue mich schon sehr darauf, meine Freunde und meine Familie in Deutschland wiederzusehen – gleichzeitig bin ich sehr traurig, dass ich meine neue Familie und Freunde hier in Argentinien zurücklassen muss.

Mai

Inzwischen passiert nicht mehr so viel Besonderes jeden Monat, weil alles normal ist für mich. Ich fühle mich, als wäre ich schon mein ganzes Leben hier und kann es mir fast nicht mehr vorstellen, zurück nach Deutschland zu kommen. Schon oft habe ich das Ende meines Austauschjahres vor mir gesehen: das Abschiednehmen, den Flug, wie ich meine deutsche Familie und Freunde wiedersehe und meine ersten Tage in Deutschland. Aber das war immer in ferner Zukunft. Jetzt kann ich kaum glauben, dass mein Flug schon übernächste Woche geht. Es gibt noch so viel was ich gerne sehen möchte und ich wäre gerne dabei, wenn meine Klasse ihren Abschlussball hat, meine Freunde 18 werden, mein Cousin heiratet... Aber ich weiß, dass ich dann nicht mehr da sein werde und das macht mich traurig.

Die Zeit die mir noch bleibt, will ich aber noch richtig nutzen und so versuche ich, mich oft mit Freundinnen zu treffen, feiern zu gehen und noch ein bisschen von Córdoba zu sehen.

Die letzten Wochenenden habe ich mich öfters mit Freundinnen getroffen und wir sind in den Park oder ins Zentrum gegangen.

Inzwischen denke ich auf Spanisch, auch wenn ich immer noch grammatikalische Fehler mache. Meine Aussprache ist manchmal lustig (jedenfalls gibt es öfter Witze darüber), aber zum Glück verstehe ich alles.

Am 25. Mai war der Feiertag zur Mairevolution (Befreiung Argentiniens von Spanien), in der Schule gab es einen Akt, bei dem ich in einem Video mitgespielt habe und am 25. Mai (einen Sonntag, deswegen hatten wir kein schulfrei) haben wir uns mit fast allen Verwandten im Haus meiner Großeltern getroffen. Meine Großmutter hat Locro gekocht (ein typisches Essen für den 25. Mai aus Fleisch, Kürbis, Bohnen und Mais), und wir haben einen lustigen Nachmittag verbracht, viel geredet und Witze gemacht. Am Abend hat dann eine Cousine Popcorn zubereitet und wir haben Mate getrunken.

Beim Abschied bin ich ein bisschen traurig geworden, weil ich wusste, dass ich viele von meinen Tanten, Onkeln, Cousins, Cousinen... nicht mehr sehen werde. Ich hoffe, dass ich viele noch an meinem letzten Wochenende treffen werde, wenn Vatertag ist, aber ich bin mir nicht sicher. Und ich habe alle sehr lieb gewonnen, weil mich alle freundlich aufgenommen haben. Von Anfang an haben alle viel mit mir gesprochen und auch Rücksicht genommen, dass ich nicht so viel verstanden habe und insgesamt waren alle so gut mit mir. Ich werde alle vermissen, wenn ich in Deutschland zurück bin.

Juni

Jetzt bin ich schon wieder fast einen Monat zu Hause und kann kaum glauben, dass die Zeit so schnell vergangen ist und dass dies hier schon mein letzter Bericht sein soll. Schon allein die Zeit in Deutschland ist sehr schnell vorbeigegangen. Aber meine letzten Wochen/Tage in Argentinien waren noch schneller vorüber. Ich konnte bis zum Abend meines letzten Tages nicht glauben, dass ich gehen muss. Meine Klasse, meine Freunde und meine Familie haben alle geweint und ich habe mich einfach so gefühlt, als würde ich am nächsten Tag wieder zurück in die Schule kommen und alles würde ganz normal weitergehen.

Anfang Juni haben meine Gastschwester Belu und ich einen letzten Ausflug unternommen: Wir waren am Cerro Colorado (auf dt.: der rote/bunte Fels, der Name kommt von der rötlichen Erde), der für die Zeichnungen der Ureinwohner bekannt ist. Die Zeichnungen waren sehr interessant und wir haben einen schönen Tag verbracht.

Am Sonntag danach war der Geburtstag meiner Gastschwester Mica. Wir haben bei meinem Gastvater zu Mittag gegessen und am Nachmittag sind einige ihrer Freundinnen nach Hause gekommen.

Am Wochenende darauf war meine Abschiedsfeier. Ich habe meinen Jahrgang und ein paar Freundinnen in eine Disko eingeladen und wir haben die Nacht durchgetanzt. Aber mein Abschied hat schon davor angefangen: Ein paar Freundinnen hatten gemeint, sie wollten ihre eigene kleine Abschiedsfeier machen und sind mit mir in ein Café gegangen. Danach haben sie mich unter Ausreden durch die ganze Stadt kutschiert und als wir zurück nach Hause kamen, war ein großer Teil meiner Verwandtschaft da. Meine Mutter, ihr Freund und auch alle anderen hatten für mich eine Überraschungsparty organisiert!! Es war ein sehr schöner Abschied von meinen Verwandten und einigen Freunden.

Ein paar Tage später hat auch schon die WM angefangen und wir haben für die Eröffnungsfeier extra schulfrei bekommen. Das erste Argentinien-Spiel haben wir bei meinem Vater in der Wohnung angeschaut. Alle haben mitgefiebert und Argentinien hat tatsächlich gewonnen!! Meine letzte Woche war ausgefüllt von Besuchen bei Verwandten, meinen Großeltern, ... um mich von ihnen zu verabschieden und ein paar letzte gemeinsame Momente erleben zu können.

In meiner letzten Woche haben wir von unserem Theaterkurs auch noch ein Stück zu meiner Verabschiedung aufgeführt und danach Kuchen gegessen, den einige mitgebracht hatten.

In Argentinien ist es an den meisten Schulen Brauch, dass jede Abschlussklasse eine Riesenfahne näht und gestaltet, die dann vom Balkon der Schule gehängt wird. An meinem letzten Schultag hat sich mein Jahrgang etwas ganz besonderes überlegt: Sie haben mir zum Abschied auch eine riesengroße Fahne gemacht. Darauf steht: „Sophie ist Argentinierin. Wir lieben dich.“ Ich war total überrascht und sehr bewegt. In Sport haben wir dann keinen Unterricht gemacht, sondern alle haben Kekse mitgebracht und wir haben gemeinsam gegessen.

Danach sind noch ein paar Freundinnen zu mir nach Hause gekommen. Wir haben viel miteinander gelacht, aber der Abschied war trotzdem sehr traurig.

Am Abend ist der Freund meiner Mutter gekommen, wir haben zusammen gegessen, ich habe ihnen ein Fotoalbum geschenkt – als Erinnerung an mich und unser gemeinsames Jahr. In der Nacht konnte ich nicht viel schlafen, da mein Flug schon früh ging. Zum Flughafen sind extra eine Tante und ein Onkel mit einem ihrer Kinder gekommen und der Freund meiner Schwester. Ich wollte mich gar nicht mehr von meiner Familie trennen, aber irgendwann musste ich unter Tränen gehen. Ich habe mich sehr auf meine deutsche Familie und meine Freunde gefreut, aber das hat den Abschied nicht einfacher gemacht.

Inzwischen habe ich mit meiner argentinischen Familie und einer Freundin viel geskyped und versuche, so den Kontakt zu halten.

Das Jahr war manchmal schwierig und gleichzeitig wunderschön. All den wunderbaren Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, bin ich unendlich dankbar.

Danke auch an die Stiftung Nordlicht, dass ihr mir dieses tolle Jahr ermöglicht habt.

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